Die Täter-Lobby und ihre Ziele

Kinder haben keine Lobby - auch nicht diejenigen, die sich selber als solche darstellen.
Sie haben wirklich keine Lobby.
Täter hingegen schon.

Achtung, kann eventuell triggern!

In diesem Artikel analysiere ich die politische und sonstige Arbeit von Täter-Lobbyisten, ihren Sympathisanten und unwissentlichen Weiterverbreitern von Botschaften der Täter-Lobby.

Das Gros dieser Arbeit findet sehr gut versteckt statt, da nur wenige Leute es wagen, ganz offen für Straftaten zu werben.

Dennoch gibt es bestimmte Erkennungszeichen, an denen Täter-Lobby-Arbeit erkennbar ist.

Was ist Täter-Lobbyismus?

Offene oder versteckte Parteilichkeit für Täter.

Die versteckte / unwissentliche Form des Täter-Lobbyismus kommt bei weitem am häufigsten vor. Sie ist oft nur schwer zu entdecken, manchmal auch schwer zu durchschauen. Oft kommt sie vordergründig als etwas ganz anderes daher.

Deshalb geht es in diesem Artikel vor allem um Strukturen hinter dem Täter-Lobbyismus.

Auseinandersetzungen mit der Täter-Lobby bedeuten immer Kampf um die Deutungs-Hoheit von sexuellem Missbrauch.

Ein Beispiel: die "Wormser Prozesse"

Wer im Internet nach der Stichwort-Kombination "Wormser Prozesse" sucht, findet obenan eine Fülle von Hetzschriften gegen einen angeblichen "Hexenwahn". Demnach könne es ganz leicht jedem Unschuldigen passieren, zu Unrecht des sexuellen Missbrauchs verdächtigt zu werden. Kinderschützer verhielten sich wie seinerzeit die Hexenjäger im Mittelalter.

Hintergrund sind Anklagen vor Wormser Gerichten aus den 1990er Jahren gegen eine ganze Reihe von Eltern und Verwandte von Kindern, die ihre Kinder damals angeblich sexuell und sadistisch missbraucht haben sollen.

In den Internet-Hetzschriften wird propagandistisch unterstellt, dass es Kinderschützer seien, die zu Unrecht überall Missbrauch vermuten und durch ihren "Missbrauchs-Wahn" unsägliches Leid über Massen an zu Unrecht Verdächtigte brächten.

Den Wahrheitsgehalt dieser Propaganda werde ich im folgenden überprüfen.

Stimmen die Behauptungen dieser Hetzschriften?

Ich bitte den Leser, sich dazu den folgenden Spiegel-Artikel genau anzusehen und anschließend diesen Artikel weiterzulesen, in dem ich die darin geschilderten Vorgänge aus einer weiteren Perspektive beleuchten werde:

  1. http://suche.spiegel.de/spiegel/print/d-59403018.html
  2. Weitere Zeitungsartikel finden sich vor allem in der Rhein-Main-Presse (lokale Zeitung von Worms und Umgebung). Laut Artikel http://www.allgemeine-zeitung.de/4904047.htm ist das Urteil gegen den Leiter der ehemaligen Kinderschutzeinrichtung "Spatzennest" rechtskräftig, was jedoch in dem o.g. Spiegel-Artikel noch nicht bekannt zu sein scheint.

Meine Analyse hierzu: ich gehe davon aus, dass wie von der Presse berichtet das Urteil vom 22.8.2008 gegen den ehemaligen Leiter des "Spatzennests" rechtskräftig ist. Seine Rolle in den sogenannten "Wormser Prozessen" der 1990er Jahre, wo er laut Berichten als einer der Hauptankläger auftrat, erscheint nun in einem komplett anderen Licht, als die vielen Internet-Hetzschriften gegen den Kinderschutz vermuten lassen.

Weshalb?

Offensichtlich muss es sich um einen Pädophilen handeln, da er nach heutigen Erkenntnissen u.a. kinderpornographisches Material von seinen Schützlingen selbst hergestellt haben muss (denn anders lassen sich die laut Spiegel-Bericht bei ihm gefundenen Bilder nicht erklären). Sein "Wirken" weist dutzende weitere Merkmale von "besonderem Interesse" an Sex mit Kindern auf.

Unabhängig davon ist er aber bei den sogenannten "Wormser Prozessen" der 1990er Jahre damals gegenüber dem Gericht und der Öffentlichkeit als Kinderschützer, ja sogar als Leiter einer Kinderschutz-Einrichtung aufgetreten.

Eine Doppelrolle also.

Heute stellt sich heraus, dass der angebliche damalige Kinderschützer in Wirklichkeit ganz offenbar ein Pädophiler sein muss.

Dass er jahrelang diese Doppelrolle gespielt hat, ist jedoch erst jetzt nach dem aktuellen Gerichtsurteil unabweisbar geworden.

Was bedeutet diese insgeheime und lange versteckte Doppelrolle für die Dynamik des Geschehens?

Nun zum eigentlichen Thema dieses Artikels:

Wer gehört zur Täter-Lobby?

Laut Ursula Enders (s.u. Literatur) kann man die Täter-Lobby ganz grob in zwei Klassen einteilen:

  1. (wissentlicher Täter-Lobbyismus) Diejenigen, die absichtlich und bewusst Täter-Lobby-Arbeit verrichten, diese Absicht jedoch verschleiern und verdrehen. Die Verschleierung und Verdrehung sowie oftmals auch Heimlichkeit ist ein Wesensmerkmal dieser Gruppe.
  2. (unwissentlicher Täter-Lobbyismus) Diejenigen, die sich selbst nie als Täter-Lobbyisten bezeichnen würden oder sich sogar dagegen verwahren, aber dennoch unabsichtlich den Täter-Lobby-Interessen Vorschub leisten und deren Gedankengut weiter verbreiten, beispielsweise durch Nachplappern von Täter-Lobby-Slogans. Eventuell auch aufgrund psychologischer Abwehr der Missbrauchs-Realität, um sich selbst davor zu schützen.

In beiden Fällen sind die heimlichen Ziele oftmals derart gut versteckt, dass man ziemlich viel nachdenken und schlussfolgern muss, um darauf zu kommen.

Leider kann man wegen dem Verschleierungs- und Heimlichkeits-Charakter nicht immer eindeutig erkennen, zu welcher der beiden Gruppen jemand gehört, der (verstecke) Täter-Lobby-Interessen vertritt. Im Fall der Wormser Amtsträger gehe ich überwiegend von 2) aus. Im Fall der vielen Internet-Hetzschriften gegen den Kinderschutz ist jedoch mit einem Überwiegen der Interessengruppe 1) zu rechnen.

In Zweifelsfällen wird man keine bewusste Absicht unterstellen können. In der Praxis kommt es jedoch nicht auf Bewusstheit an, sondern auf die Wirkung, die Täter-Lobby-Kommunikation in der Öffentlichkeit erzielt.

Ziele der Täter-Lobby

Ich unterscheide zwischen Hauptzielen und davon abgeleiteten Unterzielen. Eine weitere Unterscheidung betrifft kurzfristige und langfristige Ziele. Weiterhin ist theoretisch zu unterscheiden, ob jemand bewusst die Ziele der Täter-Lobby unterstützt, oder unabsichtlich. Letztere Frage ist jedoch von außen kaum entscheidbar.

Hauptziele

Diese Hauptziele werden in der hier geschilderten klaren Form fast nirgends (mit wenigen Ausnahmen) deutlich sichtbar vertreten. Täter-Lobby-Arbeit ist daher meistens nicht direkt als solche erkennbar. Stattdessen konzentriert sich die Arbeit von freiwilligen und unfreiwilligen Täter-Lobbyisten auf folgende Unter-und Zwischenziele (mit Beispielen für Erfolge / Misserfolge dieser Lobby-Arbeit):

Unter- und Nebenziele

Inhaltliche Auseinandersetzung

Kernaussage

Der Kern von (freiwilligen oder unfreiwilligen) Täter-Lobby-Behauptungen dreht sich vor allem um eine Zentralaussage: einvernehmlicher Sex mit Kindern schade angeblich nicht.

Wenn man mit wissenschaftlichen Studien entgegenhält, die beweisen, dass sexueller Missbrauch sehr wohl gravierende Folgeschäden (bis hin zu Selbstzerstörung durch Sucht oder SVV, um den Faktor 3 bis 6 gesteigerte Selbstmord-Raten, lebenslange Hospitalisierung in der Psychiatrie etc) nach sich ziehen kann (und in einer hohen Anzahl von Fällen auch tatsächlich hat), dann wird von (wissentlichen oder unwissentlichen) Täter-Lobbyisten mit Vehemenz behauptet, diese Folgen kämen nur in einer bestimmen (seltenen) Anzahl von Fällen oder durch andere Umstände wie z.B. das Familienklima zustande - prinzipiell sei Sex mit Kindern zumindest unter bestimmten Bedingungen unschädlich (oder sogar förderlich).

Die Täter-Lobby nutzt für diese Argumentation vor allem die vorhandenen Lücken in den wissenschaftlichen Untersuchungen aus. Wegen Phänomenen wie dissoziativer Amnesie lässt sich sexueller Missbrauch nie in 100% aller tatsächlich vorhandenen Fälle nachweisen. Ebenso verhält es sich mit Folgen wie z.B. Posttraumatischer Belastungsstörung: diese treten bei einer großen Teilmenge der Opfer erst mit langer zeitlicher Verzögerung auf, teilweise erst nach Jahrzehnten (Nachweis dieses Effekts u.a. bei Vietnam-Veteranen) und sind daher mit den üblichen Messinstrumenten (Querschnittsstudien) nicht vollständig nachweisbar.

Ganz allgemein: untersucht man eine bestimmte Gruppe von Leuten A auf irgendein beliebiges Symptom B hin, dann findet man i.A. eine Teilmenge, bei denen das Symptom sicher nachweisbar ist (im Bild weiß dargestellt), eine Teilmenge, bei der das Symptom sicher ausgeschlossen werden kann (schwarz), und den Rest, bei dem die Frage nicht sicher entschieden werden kann (grau dargestellt). Das folgende Bild zeigt die Zahlenverhältnisse nicht proportional, sondern schematisch; je nach Untersuchungsgegenstand kann einer der Bereiche sehr groß ausfallen und ein anderer sehr klein sein oder sogar ganz wegfallen.

Darstellung des Graubereichs

Schauen wir uns die Verhältnisse in der Gruppe der Missbrauchten (enge Definition) an und untersuchen das Auftreten schwerwiegender psychiatrischer Symptome wie z.B. dissoziative Störungen verschiedener Art, Borderline etc. Es gibt mehrere Untersuchungen dieser Art. Die sicher gefundenen Symptome schwanken in dieser Gruppe je nach Untersuchung von rund 50% bis rund 80%. Was ist mit den restlichen 20% bis 50%? Ist bei diesen die Existenz von Folgen des Missbrauchs sicher ausgeschlossen?

Nein! Bei ihnen weiß man lediglich, dass im Moment der Untersuchung keine der untersuchten potentiellen Folgesymptome erkennbar waren. In der Traumaforschung ist bekannt, dass bestimmte Störungen wie chronifizierte Belastungsstörungen nicht ständig, sondern oftmals in langen Intervallen oder erst nach langer Zeit auftreten (sog: "Oszillieren"). Dies stimmt mit der häufigen klinischen Beobachtung überein, dass beispielsweise eine PTBS, bei der der Inhalt der traumatischen Belastungen klar auf sexuellen Missbrauch im Kindesalter hinweist, nicht selten erst im Erwachsenenalter auftritt (bei mir z.B. erst mit 36), und zwar meistens erst nach einem Trauma-Auslöser (wie z.B. die Geburt eines Kindes). Die Empfindlichkeit für Trauma-Auslöser war jedoch auch schon vorher in versteckter Form vorhanden, was aber lediglich niemandem auffiel!

Bedeutet die Erkenntnis von der Unsicherheit der Nicht-Folgen, dass jeder sexueller Missbrauch Folgen nach sich zieht? Dies kann man wiederum ebenfalls nicht schlussfolgern! Es ist durchaus möglich, dass jemand zeitlebens keine Folgesymptome entwickelt, z.B. weil er die Missbrauchs-Erfahrungen kompensieren konnte. Es ist jedoch falsch, daraus zu folgern, er sei nicht geschädigt worden! Beispielsweise kann ein Raucher, der lediglich keinen Lungenkrebs entwickelt, alleine aufgrunddessen nicht als vollkommen ungeschädigt durch das Rauchen dargestellt werden. Im Unterschied zu psychischen Verletzungen kann man bei einem Raucher Schädigungen des Lungengewebes mit Labormethoden feststellen. Nur weil man etwas im Normalfall nicht sehen kann, darf man nicht folgern, es könne nicht vorhanden sein.

Dies bedeutet also, dass man für den Rest der Missbrauchten niemals sicher sein kann, ob es Folgen gibt oder nicht. Die Täter-Lobby tut jedoch so, als könne man aus dem Fehlen erkennbarer Folgesymptome zum Untersuchungszeitpunkt mit Sicherheit schließen, der Missbrauch habe keinerlei negative Folgen gehabt.

Wie hoch ist das Ausmaß der Folgeschäden wirklich? Darüber gibt es leider nur sehr wenige Längsschnitt-Studien, die ganze Jahrgänge über längere Zeiträume (Jahrzehnte) beobachtet haben. Details sind in meinem Artikel über die Schädlichkeit von sexuellem Missbrauch sowie das Ausmaß genauer dargestellt. Fazit hieraus: die Behauptungen der Täter-Lobby sind bereits seit langem wissenschaftlich widerlegt.

Dennoch hat die Täter-Lobby den Erfolg gehabt, dass die o.g. falsche Argumentationsweise von Gerichten übernommen wurde und in zahllosen Urteilen aufscheint.

Sieht man sich die Struktur der von (freiwilligen oder unfreiwilligen) Täter-Lobbyisten vertretenen Thesen genauer an, dann fällt ihre Verwandtschaft mit typischen Rechtfertigungs-Systemen von Tätern wie VAS (siehe Literatur Deegener) auf.

Wer der Täter-Lobby auf den Grund gehen will, sollte sich vor allem mit diesen Mustern und Strukturen befassen.

Weitere Erkennungszeichen von Täter-Lobbyismus

Nicht immer wird die Kernaussage vertreten, Sex mit Kindern schade angeblich nicht. Manchmal kommt Täter-Lobby-Gedankengut auch in anderen Ausprägungen daher, mit denen Täter-Lobby-Positionen direkt oder indirekt gestärkt werden sollen:

Ein Beispiel für False-Memory-Lobbyismus

Das Verdrehen der Opfer-Rolle (wer ist wirklich das Opfer, wer wird hingegen nur als solches dargestellt) ist eine häufige Strategie von Tätern und ihren Lobbyisten.

Hierzu ein Beispiel:

Als meine Erinnerungen an den sexuellen Missbrauch durch meine Mutter in Flashback-Form hochkamen, waren diese für mich so schlimm und kaum aushaltbar, dass ich in eine Dekompensation geriet. Gerade wegen der Vorwürfe, die sich aus diesem Trauma-Material gegen meine Mutter ergaben, bin ich sorgsam damit umgegangen. Ich habe viele Puzzle-Stücke (deren Inhalt ich anfangs oft selbst nicht glauben konnte) erstmal in Aufzeichnungen gesammelt. Dann habe ich meiner Mutter einen Brief geschrieben, um das Wichtigste davon zu klären (die Details sind in meiner Missbrauchs-Geschichte ausführlich erklärt).

Meine Mutter hat den Missbrauch nicht geleugnet, sondern klar und deutlich bestätigt. Auch mein Vater hat zugegeben, dass er mich wegen dieser Geschichte als Kind geprügelt hat. Weitere Bestätigungen gab es von meinen Geschwistern und weiteren Verwandten.

Nun sollte man meinen, meine Geschichte ist durch diese klaren Täter-Geständnisse so gut gesichert, dass niemand mit halbwegs intaktem Verstand und Gefühl meine Geschichte einfach so aus heiterem Himmel anzweifeln kann.

Weit gefehlt. Es gibt Leute, die sogar das hinkriegen. Folgendes habe ich in meinem Gästebuch gefunden:

Nun, es stimmt nicht, dass ich auf das Thema nicht eingehe (siehe mein Artikel über die Echtheit von Erinnerungen). Und ich verwahre mich dagegen, öffentlich als "zu unkritisch gegenüber meinen eigenen Erinnerungen" angeprangert zu werden. Abgesehen davon, dass die meisten meiner Erinnerungen rund 1 Jahr vor dem Beginn meiner Therapie hochkamen und die Therapie vieles nur vervollständigt hat.

Ich finde es erstaunlich, mit welch hehrer Überzeugung manche Leute innerhalb kürzester Zeit Diagnosen stellen und dabei die falschen Behauptungen von Täter-Lobbyisten (Elizabeth Loftus hat etwas ganz anderes gezeigt, s.o.) weiter verbreiten und diese als angeblich erwiesene Wahrheiten verkaufen. Anscheinend sind sie sich nicht bewusst, was sie damit anrichten können. Hierbei geht es nicht nur um die schweren seelischen Verletzungen, die solche Äußerungen einem Opfer zufügen können.

Noch vor 10 Jahren hätten mich derartige Äußerungen in tiefste Verzweiflung gestürzt. Mein Onkel hat sich übrigens in einer derartigen Verzweiflung befunden, die durch Nicht-Glauben von Erinnerungen verstärkt oder hervorgerufen werden, als er Selbstmord beging. Ich weiß noch ganz genau, was ihm meine Mutter kurz vorher noch vorgeworfen hat, als er Hilfe suchte, weil er von seinen Erinnerungen an den sadistischen Missbrauch durch meine Oma (beider Mutter) heimgesucht wurde. Meine Mutter hat übrigens bei der Beerdigung meiner Oma keine einzige Träne geweint, da auch sie von ihr missbraucht wurde, wie sie mir als Kind ausführlichst erzählt hat.

Manche Leute denken bei ihrem Feldzug für die angeblich so vielen armen unschuldigen Missbrauchs-Beschuldigten ganz offensichtlich nicht daran, was sie mit ihren unsensiblen, in Wahrheit unkritischen und obendrein teilweise unrichtigen Äußerungen bei den wirklichen Opfern sexuellen Missbrauchs anrichten können.

Merksatz: für Opfer ist es unerträglich, ihren Opfer-Status (indirekt) abgesprochen zu bekommen.

Deshalb: keine False-Memory-Theorien unterbreiten, wenn man nicht im Einzelfall beweisen kann, dass es sich um falsche Erinnerungen handeln muss!

Hier ein weiteres Beispiel eines Gästebuch-Eintrags, der mir meinen Erinnerungen wegen eines bestimmten (bei mir erfüllten) Merkmals nicht glaubt und mir dadurch indirekt den Opfer-Status abspricht:

Der Autor dieses Gästebuch-Eintrags hat wohl die wissenschaftliche Literatur über dissoziative Amnesie nicht zur Kenntnis genommen. KZ-Opfer waren (neben Pearl-Harbour-Veteranen) eine der ersten Gruppen, die diesbezüglich untersucht wurden. Diese Untersuchungen waren sogar mit ausschlaggebend für die Bildung des Begriffs "dissoziative Amnesie"!

Deshalb nochmals, zum Einhämmern:

Merksatz: für Opfer ist es unerträglich, ihren Opfer-Status (indirekt) abgesprochen zu bekommen.

Deshalb: keine False-Memory-Theorien oder andere "allgemeinen Widerlegungen" von Erinnerungen unterbreiten, wenn man nicht im Einzelfall beweisen kann, dass es sich um falsche Erinnerungen handeln muss!

Konsequenzen

Aus dem "Fall Worms" und anderen Fällen sind immer noch nicht genügend Konsequenzen gezogen worden.

Es stellen sich interessante Fragen:


Merksatz: nicht überall, wo "Kinderschutz" draufsteht, ist auch wirklich Kinderschutz drin!

Mein persönlicher Ratschlag für Überlebende: bei einem Missbrauchs-Verdacht oder auch sonst lieber nicht zu Organisationen gehen, die "Kinderschutz" auf ihren Fahnen stehen haben, sondern zu solchen, die sich ausdrücklich um Opfer sexuellen Missbrauchs oder um Opfer anderer Verbrechen kümmern. Dieser Tipp kann Dir u.U. unendlich viel Leid ersparen!

Hinweis an mitlesende Journalisten: nehmt die hier gegebenen Hinweise als Ausgangspunkt eigener sorgfältiger(!) und gewissenhafter(!) Recherchen. Ich gehe Wetten ein, dass ihr vom Gesamt-Ausmaß des insgesamt vorhandenen Skandal-Materials noch jahrelang leben könnt, wenn ihr das richtig aufbereitet und herausbringt. Das erfordert aber viel Arbeit, um die ihr nicht herumkommt.


Literatur

Ursula Enders: Zart war ich, bitter war's. Handbuch gegen sexuellen Missbrauch. Verlag Kiepenheuer & Witsch, zweite Auflage 2006. Darin vor allem Kapitel V (selbst ernannte "Kinderfreunde"), sowie Kapitel XVIII und XIX (Die Täter- und Täterinnenlobby hat viele Gesichter). Dort sind auch Namen genannt, was teilweise in juristischen Auseinandersetzungen durchgefochten werden musste.

Deegener: Sexueller Missbrauch. Die Täter. Beltz Verlag 1995.

Adolf Gallwitz, Manfred Paulus: Grünkram. Die Kinder-Sex-Mafia in Deutschland. Verlag Deutsche Polizeiliteratur, 2. Auflage 1998.