Sadismus und sadistischer Missbrauch

Achtung, triggert!

Was ist Sadismus?

Jegliche Form einer Lust am Leiden anderer.

Auch wenn es in den klassischen Büchern von de Sade und seiner Nachfolger um hintergründig sexuelle Lust geht: eine sexuelle Komponente muss nicht unbedingt enthalten oder erkennbar(!) sein.

Bei vielen meiner sadistischen Missbräuche, die ich als Kind erlebt habe, war eine sexuelle Komponente (zumindest für mich als Kind) nicht erkennbar. In einigen Fällen habe ich jedoch später als Erwachsener rekonstruieren können, dass eine sexuelle Komponente bei der Täterin vorhanden gewesen sein muss.

Beispiel: meine Oma (Mutter meiner Mutter) hat mich als Kleinkind noch vor dem Kindergarten-Alter gefesselt und ausgepeitscht. Ihre damalige "Begründung" lautete, dass ich angeblich etwas ausgefressen hätte. Als Erwachsener kam diese Szene während meiner Dekompensations-Phase in Form von Flashbacks hoch. Daraufhin habe ich die Szene in mehreren EMDR-Sitzungen bei meinem Therapeuten bearbeitet. Dabei kam weiteres Trauma-Material zu Tage, beispielsweise wusste ich vorher nicht, dass ich bei dieser Szene auf einem Holzschemel knien und eine Beter/Büßer-Haltung einnehmen musste. Es kam aber auch ein weiteres Detail hoch: meine Oma hat sich, schon bevor sie mit der Peitsche anfing, mit der Hand durch ihre Schürze hindurch in ihrer Leisten-Gegend herumgestochert und dabei irgendwie seltsam gestöhnt. Dies konnte ich als Kleinkind überhaupt nicht einordnen. Ich habe diesem Detail auch keine besondere Beachtung geschenkt (ich hatte während dieser Szene ganz andere Sorgen). Aus dem Erfahrungs-Horizont eines Erwachsenen heraus betrachtet wird natürlich klar, dass hier eine ganz direkte sexuelle Befriedigung stattgefunden haben muss.

Dies stellt jedoch nach meiner Erfahrung eine Ausnahme dar: bei den meisten anderen sadistischen Missbräuchen (die meisten durch meine Mutter) konnte ich derart klare sexuelle Bezüge nicht finden. Ich vermute, dass sie oft auch gar nicht vorhanden waren.

Achtung! es gibt auch "harmlos" erscheinende Beispiele von Sadismus im Alltag, die lediglich gut versteckt sind und oft nicht wahrgenomen werden. Dazu zählt nicht nur der "ganz normale Sadismus in Beziehungen", von dem beispielsweise Schnarch in seinem Buch über die Psychologie der Sexualität in Beziehungen spricht.

Hier ein Beispiel, das scheinbar "total harmlos" aussieht und in meinem Erwachsenen-Leben stattgefunden hat: als ich wegen eines Knochenbruchs in einem gut geführten Krankenhaus war (das weithin wegen seiner humanistischen, teils auch "alternativen" Einstellung bekannt ist), kam eine Krankenschwester zu mir, um die Infusions-Nadel an meinem Arm zu wechseln. Eigentlich ein ganz normaler Vorgang, wie er tausendfach in jedem Krankenhaus vorkommt. Ich bin bestimmt nicht übermäßig wehleidig, aber diese Krankenschwester hat es irgendwie geschafft, dass bereits das Abmachen des Pflasters sehr heftig weh getan hat (vom Rest ganz zu schweigen). Da ich mich schon vorher in der Therapie mit Sadismus beschäftigt hatte und dadurch auf den ganz besonderen Blick aufmerksam wurde, den die Krankenschwester bei dieser "Prozedur" hatte, habe ich sie ganz direkt angesprochen, ob es denn nicht möglich wäre, das ein wenig anders zu gestalten, so dass es weniger weh täte. Sie hat darauf leicht säuerlich und barsch reagiert, als hätte ich ein "Sakrileg" begangen. Ich konnte leider nicht verhindern, dass sie die "Prozedur" zu Ende führte, aber ich habe den Oberarzt bei nächster Gelegenheit darauf angesprochen. Diese hat vollkommen anders reagiert und wollte sofort wissen, welche Krankenschwester das war. Diese Krankenschwester wurde mir generell nicht mehr zugeteilt, und beim nächsten Nadel-Wechsel kam ein Aufweich-Mittel für den Pflaster-Kleber zum Einsatz, der die schmerzhafte Verbindung mit den Körperhaaren schon vor dem Abziehen aufgelöst hat.

Nachträgliche Interpretation: ich hatte den Eindruck, dass der Oberarzt in seinem Inneren sehr genau verstanden haben musste, was hier hinter den Kulissen vor sich ging (es dürfte sicherlich nicht die erste Beschwerde gewesen sein). Nur konnte er vermutlich die besagte Krankenschwester wohl nicht einfach entlassen (ohne sehr triftigen nachweisbaren Grund, vor allem beim derzeitigen Pflege-Notstand in den Krankenhäusern). Ich vermute, dass sich Sadisten ganz gezielt solche Berufe suchen, in denen sie ihre Neigungen ausleben können, und daher der Prozentsatz an Sadisten beim Pflege-Personal höher als in der Allgemeinbevölkerung ist (ähnlich wie sich Pädophile gerne Berufe aussuchen, in denen sie Kontakt mit Kindern haben).

Ursachen von Sadismus

Ich stelle mir folgende Grundfrage: gab es Sadismus "schon immer"?

Eines ist klar: die ersten primitiven Lebewesen auf der Erde kannten keinen Sadismus. Sie hatten ja noch nicht einmal ein Nervensystem. Also muss der Sadismus irgendwann im Laufe der Evolution entstanden sein.

Dann stelle ich die Frage einmal anders: gibt es Sadismus auch im Tierreich?

Antwort: nein, oder höchstens nur in irgendwelchen exotischen Nischen. Denn Jäger jagen ihre Beute nur zum eigenen Überleben. Wer Hunger hat, der quält seine Beute nicht, sondern tötet sie sofort, um sie zu fressen.

Gelegentlich kann man Katzen beobachten, die mit gefangenen Mäusen spielen, solange sie noch nicht ganz tot sind. Handelt es sich dabei um Sadismus?

Eines ist klar: mit Sexualität hat derartiges sicherlich nicht zu tun. Eher mit dem Spieltrieb, der von der Evolution zu Trainingszwecken erfunden wurde. Oder damit, dass die Katze bereits satt ist (durch Futter von Menschen), ihren alten Jagd-Instinkten nachgeht, dann aber wegen Übersättigung nicht weiß, welchem Muster sie nachgehen soll (Übersprungs-Handlungen). Man könnte jedoch eventuell vermuten, dass das Spielen mit der Maus bei der Katze zu irgendeiner Art "Befriedigung" führt, allerdings wohl hauptsächlich eine Befriedigung des Jagd-Triebs.

Merksatz: Sadismus ist Quälen um des Quälens willen.

Genau dies ist aber im Tierreich nicht erkennbar.

Manchmal werden bestimmte Hunde als Bestie bezeichnet. Handelt es sich dabei um Sadismus? Bei genauem Hinsehen ist wiederum nur ein exzessives Ausleben der Jagd-Triebes als Grund-Wesens-Merkmal erkennbar; dabei steht lediglich der Eigen-Wille des Tieres im Widerspruch zum beabsichtigten Willen seines Herrn (mangelnde Loyalität).

Falls es Sadismus im Tierreich überhaupt geben sollte (was fraglich ist), dann gilt dennoch folgendes

Grund-Theorem:
Sadismus funktioniert nur bei Jägern am Ende einer Nahrungskette. Alle anderen (Gejagten) können sich ihn schlicht nicht leisten!

Merksatz: Voraussetzung für Sadismus ist ein extremes Macht-Gefälle.

Auf den Menschen übertragen: auch hier ist neben dem Sexualtrieb eine Beteiligung des Jagd-Triebs zu vermuten. Allerdings eine fehlgeleitete Form, da sie sich gegen die eigene Art (oder sogar gegen den eigenen Nachwuchs) richtet.

Wir haben also einen Widerspruch mit dem Arterhaltungs-Trieb vor uns.

Der Arterhaltungs-Trieb ist bei Herden- und Horden-Tieren sehr gut zu beobachten. Beispielsweise verteidigen Leitbullen ihre Herde ganz massiv und gefährden dabei ihr individuelles Leben (Selbsterhaltungs-Trieb) zugunsten des Überlebens der gesamten Herde.

Wir Menschen gehören ganz eindeutig zu den Hordentieren.

Damit ist klar: ein stärkeres Ausufern des Sadismus in der Evolutionsgeschichte des Menschen hätte sicherlich nicht vorkommen dürfen, da derartige Muster sicherlich von der Evolution ausgemerzt worden wären.

Eventuell könnte man noch mit Theorien anrücken, die etwas mit "Übervölkerung" und "Selbstregulation der Horden-Größe" zu tun hätten. Derartiges ist zwar im Tierreich gelegentlich zu beobachten, jedoch steht dort nicht das Quälen der "Aussortierten" im Vordergrund und passt also nicht zum Sadismus (von der Verwandtschaft mit Nazi-Ideologien ganz zu schweigen).

Es bleibt also wohl nur die seriöse Erklärung, dass es sich beim Sadismus wohl um eine Übergangs-Erscheinung in einem System handeln muss, das sich noch nicht in einem langfristigen biologischen Gleichgewicht eingeschwungen hat.

Der heißeste Kandidat für die evolutionsgeschichtlich neueste Entwicklung stellt unsere Kulturgeschichte dar.

Ihr Kennzeichen sind weit verzweigte Sozialstrukturen und Bindungen, die offenbar als Voraussetzung vorhanden sein müssen, damit Sadisten ihren typischen Macht-Gewinn auf der psychischen Ebene verspüren können.

Wenn keine Bindungs-Strukturen vorhanden wären, könnte das Opfer von sadistischem Missbrauch ja ganz einfach weglaufen. Damit lassen sich auch die häufig auftretenden Fesselungen erklären.

Gesellschaftliche Dimension des Sadismus

Im Unterschied zum Vorkommen im Tierreich findet sich der Sadismus in unserer Kulturgeschichte derart gehäuft und derart massiv, dass man sich ernsthaft fragen muss, ob das noch ein Zufall sein kann. Schauen wir uns einige Beispiele an:

Steinzeit / Naturvölker:
Wer meint, bei sogenannten "Naturvölkern" sei die Welt noch in Ordnung, befindet sich auf einem fatalen Holzweg. Gerade dort gibt es unzählige grausame Rituale, z.B. Aufnahmerituale oder Aufnahmeprüfungen in den Kreis der Erwachsenen. Auch die in Afrika großflächig vorkommenden Beschneidungen von Mädchen/Frauen sind in letzter Zeit in den Fokus der westlichen Aufmerksamkeit gerückt.
Alte Römer:
Die Gladiatoren-Kampfspiele in den antiken Arenen wie z.B. dem Kolosseum wurden zwar ursprünglich aus politischer Absicht inszeniert (zur moralischen "Wehrertüchtigung" des Volkes), jedoch sind deren schnelle Erweiterungen zu sadistischen Auswüchsen (zur Volksbelustigung anstelle der heutigen Massenmedien) allgemein bekannt und wohl kaum zu übersehen. Die unvorstellbaren Grausamkeiten brauche ich hier nicht aufzuzählen.
Mittelalter / Neuzeit:
Auch über die Hexen-Verbrennungen und die vorher angewandten Folter-Methoden der Inquisition gibt es mehr als genug Informationsquellen. Ich muss das hier nicht wiederholen.
Heute:
Sadismus-Filme im Internet, Schaulustige bei Unfällen (je mehr Blut, desto interessanter), Voyeuristischer Journalismus bei gewissen Privatsendern, etc. Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen....

... und die Liste hält uns als Gesellschaft einen Spiegel vor.

Sadismus in der Religion

Viele der sadistischen Naturvölker-Rituale kommen in religiösem Gewand daher.

Ein etwas bekannteres Beispiel stellt die Maya-Religion dar, die vor Grausamkeiten nur so wimmelt. Beispielsweise wurden Opferungen von Gefangenen vorgenommen, denen das schlagende Herz aus dem lebendigen Leib herausgeschnitten wurde.

Wer meint, die drei abrahamitischen Religionen (Judentum, Christentum und Islam) würden sich davon grundsätzlich unterscheiden, der sollte einen sehr genauen kritischen Blick auf diese werfen:

Ältere Opfer-Kulte wurden vom Judentum übernommen
Das bekannteste Beispiel stellt wohl die Szene dar, in der Abraham im letzten Moment davon abgehalten wird, ein Menschenopfer (in Gestalt seines eigenen Sohnes) darzubringen. Nicht nur Religionswissenschaftler interpretieren dies als Versuch, eine gängige Praxis zu ändern und den Zeitgenossen klarzumachen, dass es so nicht geht. Archäologische Ausgrabungen am Jerusalemer Tempel haben unzählige Knochen-Funde von Kinder-Schädeln zu Tage gefördert, die aufzeigen, dass Menschen- und Kinder-Opfer zeitweise ganz real stattgefunden haben müssen. Weitere Belege sind nicht nur die bekannten Stellen aus dem AT, in denen das Opfern der Erstlings-Früchte von Gott gefordert wird. In späteren Zeiten konnte man anstelle des erstgeborenen Sohnes auch ersatzweise ein Tier opfern. Auch beim Auszug aus Ägypten sind die Erstlinge (diesmal allerdings der feindlichen Ägypter) von Gott als Opfer verlangt worden. Das AT macht überhaupt keinen Hehl daraus, dass ihr Gott rachsüchtig ist (bzw genauer: manche dar darin vorkommenden Gottesbilder).
Sadismus im Christentum
Da die Theoriebildungen des Christentums nach der Abspaltung vom Judentum und der Auslöschung der Judenchristen 72 n. Chr. stark von antiken Philosophen und anderen Einflüssen wie z.B. die Gnosis verändert worden sind, taucht der Sadismus weniger in der Theorie, sondern dafür um so stärker in der Praxis auf. Hierbei geht es nicht nur um die mittelalterliche Inquisition oder um die Flagellanten. Bereits in den Evangelien kommt Sadismus vor, nicht nur auf die Leidensgeschichte Jesu beschränkt (die man vielleicht noch als Ausgeburten der zeitgenössischen Justiz durchgehen lassen könnte - was aber auch schon einiges über dieselbe aussagt). Leider sind diese Leidensgeschichten später zum Vorbild erhoben worden. Vor allem die frühmittelalterlichen Mönche legten Wert auf sogenannte "Kasteiungen" (Auswüchse vgl "Säulenheilige"). Auch Augustinus ist von entsprechenden Anwandlungen nicht frei. Die aktuellen Skandale um sexuellen Missbrauch und sadistische Erziehungs-Methoden haben eine lange Tradition.
Sadistische Rituale im Islam
Auch der Islam hat vieles von lokalen Vorgänger-Kulten und aus dem Judentum / Christentum übernommen. Eigentlich ist Mohammed ja als Reformer angetreten, der einige Auswüchse seiner Vorgänger-Religionen wie z.B. die nachträgliche Erhebung des Menschen Jesus in den Rang eines Gottes kritisiert. Trotzdem bleibt er ein Kind seiner Zeit. Die islamische Rechtsordnung (Scharia) mag seinerzeit revolutionär "modern" gewesen sein, heute fallen jedoch im Licht der Menschenrechte z.B. die sadistischen Anteile des Hände-Abhackens oder der Steinigung auf. Auch Tieropfer haben in der islamischen Praxis in umgedeuteter Form überlebt (vgl Diskussionen um das Schächten). Krasse Beispiele finden sich weiterhin in heutigen islamischen Rechtfertigungs-Theorien für Beschneidungen von Kindern, darunter schlimmste Menschenrechts-Verletzungen durch Verstümmelungen von Frauen und Mädchen.

Kennzeichen von religiösem Sadismus ist, dass er sich als "heilig" oder sakrosankt darstellt und oftmals denjenigen bedroht, der diese "Heiligkeit" in Frage stellt und dadurch den Sadismus aufdeckt. Zumindest muss man damit rechnen, als Sünder / Blasphemiker abstempelt zu werden, oder angeblich ein Sakrileg zu begehen.

Über religiösen Missbrauch und den darin vorkommenden Sadismus habe ich einen eigenen Artikel geschrieben.

Merksatz: religiöse Rechtfertigungen für Grausamkeiten stellen nichts anderes dar als projektive Verschiebungen des wahren Zwecks, nämlich Quälen um des Quälens willen!

Verdrehungen als Kernbestandteil des Sadismus

Die schweren Verdrehungen, mit denen meine Mutter ihren Sadismus mir gegenüber gerechtfertigt hat, haben mich zu einer genaueren Analyse bewogen.

Verdrehungen und sonstige Projektionen auf psychischer Ebene stellen offenbar einen wesentlichen Bestandteil des Sadismus dar.

Ohne diese Verdrehungen könnte der Sadismus nicht bestehen. Denn dann würde der Täter fühlen / spüren, was er bei seinem Opfer anrichtet. Das Fehlen von Mitgefühl ist aber nur eine der Voraussetzungen. Die eigentliche "Arbeit" findet auf psychischer Ebene statt: die Schmerzen werden in etwas Positives (oder zumindest Harmloses) umgedeutet / verdreht.

Am klarsten ist dies bei den religösen Verdrehungen zu sehen (zumindest wenn man kein religiöser Fanatiker ist). Aber auch die "Sakrileg"-Reaktion der oben erwähnten Krankenschwester stellt eine Verdrehung dar. Häufige Verdrehungen folgen dem Muster, dass das Leiden angeblich zu irgendetwas nützlich sein soll. An dieser angeblichen Nützlichkeit kann man sadistische Gesinnungen recht leicht erkennen.

Die Verdrehung dient dem Zweck, die eigentliche Interessen-Lage (nämlich die [sexuelle] Befriedigung am Leiden des Opfers und den psychischen Macht-Gewinn über das Opfer) zu verschleiern, das Opfer zu lähmen und Gegenwehr zu erschweren.

Sadismus als Sucht

Von sadistischen Sexualstraftätern und anderen gibt es Berichte, wonach sie bei ihren Taten oftmals ein Art "Kick" erleben.

Nach Berichten stellt dieser Kick eine Art Sucht dar.

Für die Sucht-Hypothese gibt es ein weiteres Argument:

Würden sadistische Handlungen zu einer endgültigen Befriedigung der zugrunde liegenden Spannungen / Gelüste führen, wäre der Sadismus im Laufe der Evolution längst wieder ausgestorben.

Sadismus kann sich nur deshalb halten, weil er keine Lösung darstellt.

Im subjektiven Erleben des Täters erscheint er aber als "Lösung".

Dieser Schein-Lösungs-Charakter stellt ein Grundmerkmal von Sucht-Verhalten dar.

Sadismus als virale Erscheinung

Alice Miller hat in ihren Büchern die Kindheit von Adolf Hitler genauer unter die Lupe genommen. Viele Leute wissen zwar, was Hitler gemacht hat, aber nur wenige haben sich mit seiner Sozialisation beschäftigt. Sicherlich wird er nicht so geboren sein, wie er später geworden ist. Was also ist zwischendrin passiert?

Der kleine Adolf ist sadistisch missbraucht worden!

Alice Miller analysiert die Folgen dieses sadistischen Missbrauchs anhand der Quellen bis ins Detail und arbeitet heraus, wie seine späteren Taten damit zusammenhängen: nach ihrer Analyse stellen sie nichts anderes als eine Re-Inszenierung seiner Kindheits-Traumata dar.

Am Beispiel Hitler lässt sich nachvollziehen, wie sich die Folgewirkungen von Sadismus weiter ausbreiten.

Weiteres Beispiel, das ich jedoch nur vom Hörensagen kenne: wenn ein kleiner Welpe sadistisch gequält wird, dann entwickelt er sich entweder zu einer Bestie, oder zu einem besonders lieben und braven Hund, der dann allerdings nicht mehr als Wachhund taugt.

Ich kann dies nicht aus eigener Erfahrung überprüfen, aber es erklärt folgende Grundmechanismen:

Die natürliche Reaktion auf sadistische Behandlung ist Wut.

Opfer sadistischer Behandlung wenden ihre gespeicherte Wut entweder nach innen oder nach außen.

Wenn man nun in Anlehnung an Alice Miller die Hypothese aufstellt, dass sich Sadismus auf diese Weise über Generationen hinweg fortpflanzen kann (ähnlich wie ein Virus), ergibt sich folgendes Bild:

Meine persönliche Erfahrung hierzu: in meiner Familie lässt sich Sadismus und sexueller Missbrauch mutterseitig über 2 Generationen hinweg nachvollziehen, vaterseitig sogar über 3 Generationen hinweg (ich habe Tonbandaufnahmen meines Opas, auf denen er von sadistischen Gewalttaten seines schwer alkoholabhängigen Vaters berichtet). Möglicherweise geht die Generations-Fortpflanzung noch weiter zurück, nur habe ich darüber kaum Informationen.

Gemeinsamkeiten zwischen Sadismus und Pädophilie

Im medizinischen Sinne fällt beides unter den Oberbegriff der Paraphilien. Eine Paraphilie ist eine Sexualstörung, bei der eine "normale" Sexualität nicht mehr möglich ist.

Diese Sichtweise konzentriert sich auf Extremfälle und blendet damit einen großen Teil der Realität von vornherein aus.

Wer sich die Fachliteratur über Pädophilie genauer angesehen hat, wird verwundert feststellen, dass die Gemeinsamkeiten weit höher sind. Vor allem das Macht-Gefälle spielt bei beiden Arten eine zentrale Rolle. Auch bei den Täter-Motiven sowie Täter-Klassifizierungen gibt es unübersehbare Gemeinsamkeiten.

Hinzu kommen die Berichte von Ermittlern aus der Kinderporno-Szene. Diese berichten, dass die weit überwiegende Mehrheit von Kinderpornos im Internet von einem Sadismus durchsetzt ist, der teilweise so unbeschreiblich entsetzlich und ekelerregend ist, wie man es sich nicht vorstellen kann.

Aus der Häufigkeitsverteilung dieses von Pädophilen konsumierten Materials kann man also rückschließen, dass ein Großteil der Pädophilen auch in der Praxis eine starke sadistische Motivation besitzen muss.

Aber auch "reine" Sadisten, deren sexuelle Phantasien sich eher auf Erwachsene beziehen, könnten in die Versuchung geraten, ihre Neigungen bei Kindern auszuleben. Schließlich stellen Kinder das schwächste Glied unserer Gesellschaft dar und haben die geringsten Chancen, sich gegen Sadismus zu wehren.

Meine persönliche Erfahrung ist, dass ich von meiner Mutter sowohl sexuell als auch sadistisch missbraucht worden bin. Auch bei den meisten anderen sexuellen Missbräuchen durch andere Täter waren sadistische Komponenten erkennbar. Dies wird sicherlich kein reiner Zufall sein.

Umgang mit Sadismus

Sadismus als Straftat

Um es glasklar zu machen:

Das Ausüben von Sadismus bei Tieren oder ohne willentliches Einverständnis bei erwachsenen Menschen (nur in bestimmten Fällen) oder generell bei Kindern / Schutzbefohlenen stellt eine Straftat dar.

Im einfachsten Fall handelt es sich "lediglich" um eine Körperverletzung. Es verstößt aber immer auch gegen die Menschenrechte.

In der Praxis werden nur wenige Täter gefasst. Sehr oft kommt es zu keiner Anzeige (Hauptgrund sind die Bindungen zwischen Täter und Opfer). In vielen Fällen ist auch der Nachweis einer Straftat oder eines Verbrechens schwierig.

Beispiel: eine Krankenschwester arbeitet in einem Beruf, in dem Körperverletzungen manchmal zum Wohle des Patienten notwendig sind und daher straffrei bleiben. Leider habe ich gegen die oben erwähnte Krankenschwester nichts in der Hand außer einem "seltsamen Blick" und der typischen "Sakrileg"-Reaktion bei Aufdeckungs-Versuchen (die auch als Anregung für tiefenpsychologisch fundierte Vergleiche mit religiös verbrämtem Sadismus dienen könnte). Vordergründig scheint das Abziehen eines Pflasters ja auch harmlos zu sein, das sieht in den Augen vieler Menschen nicht wie eine Straftat aus. Bei Nachweis von Absicht der mir zugefügten Schmerzen wäre es aber eine! Denn auch das unberechtigte Stechen mit einer Nadel ist bereits eine strafbare Körperverletzung.

Nicht immer geht es um scheinbar "harmlose" Dinge wie das Abziehen eines Pflasters:

Ein Großteil der schweren Sexualstraftaten wird mittels sadistischer Motivation begangen.

Das Internet wimmelt vor Hardcore-Videos, die ebenfalls Straftaten zeigen bzw bei deren Herstellung offensichtlich Straftaten begangen wurden.

Was für die Römer die Gladiatorenkämpfe und Tierhetzen sowie öffentlichen Hinrichtungen waren, ist bei uns in den Medien zu finden. Dies betrifft nicht nur den Hardcore-Bereich. Viele Menschen sind offenbar bereits derart durch die Gewalt abgestumpft, die andauernd in den ganz normalen öffentlichen Medien gezeigt wird, dass sie die Straftats-Dimension des Sadismus gar nicht mehr wahrnehmen.

Gibt es harmlose Formen von Sadismus?

Eines der Standard-Argumente lautet, dass man die kriminellen Formen von Sadismus-Ausübung doch nicht einfach pauschal mit "harmlosen" Fesselungs-Spielen zwischen gleichberechtigten Erwachsenen gleichsetzen darf.

Nun, ich setze sie nicht gleich. Ich mache etwas anderes: ähnlich wie im Pädophilen-Artikel beschrieben, führe ich einen Aktivitätsgrad für sadistische Sexualität ein, der auf einer gedachten Skala zwischen 0% und 100% liegt. Damit sind auch Mischungen verschiedener sexueller Präferenzen darstellbar.

Analog dazu führe ich eine weitere Schwere-Skala zwischen 0% und 100% ein, die von sadistischen Phantasien / Anschauen von Hardcore-Videos über leichtere Formen der Ausübung bis hin zu schweren sadistischen Sexualverbrechen reicht.

Schaut man sich nun die Entwicklungs-Geschichte von sadistischen Sexualstraftätern auf diesen beiden Achsen an, so erkennt man, dass diese häufig eine Täter-Karriere hinter sich haben, in der die leichteren Vorstufen fast immer durchlaufen wurden.

Damit wird klar, dass die "harmlosen" Formen des Sadismus wie z.B. sadistische Phantasien oder Hardcore-Videos nicht generell harmlos sind, sondern oft auch als Trainings-Stufen / Vorstufen für die gefährlicheren Formen des Sadismus dienen.

Als ich in meiner Psychotherapie nach Verständnis für die Gedankengänge von Sadisten (speziell meiner Mutter) gesucht habe, erklärte mir mein Therapeut, dass nach seiner Erfahrung mit vielen seiner Patienten der "ganz normale Alltags-Sadismus" sehr weit verbreitet ist. Vor allem Fesselungs-Spiele, Auspeitschen und dergleichen kommen recht häufig vor. Seiner Ansicht nach stellt das kein Problem dar, wenn es sich um erwachsene Partner handelt, die derartiges gleichberechtigt aushandeln und einfach mal etwas ausprobieren oder einen "Kick" in Varianten suchen.

Er drückt damit eine gängige Meinung aus, die heute weithin als Mainstream verbreitet wird.

Ich konnte dies nie gefühlsmäßig einsehen, weder damals noch heute. Deshalb bin ich der Sache auf die Spur gegangen und habe sie genauer analysiert.

Worin besteht das Problem an dieser heutigen Mainstream-Meinung?

Die suggestive Botschaft lautet: alles was "einvernehmlich" ist, sei automatisch erlaubt und unschädlich.

Schon vor Jahren habe ich einen Bericht gelesen, wo jemand von einem Freund, den er über das Internet kennengelernt hat, zu Tode gequält wurde. Und zwar haben die beiden vorher gemeinsam eine Art "Drehbuch" dafür ausgearbeitet, bis ins letzte Detail. Dieses über Monate hinweg einvernehmlich ausgearbeitete und immer weiter "verbesserte" Drehbuch wurde dann irgendwann "lediglich" in die Tat umgesetzt. Also: völlig einvernehmlich.

Ist eine derartige "einvernehmliche" Tötung wirklich in Ordnung? Selbst, wenn sie nicht bestialisch und grausam erfolgt wäre?

Wir kennen die Thematik nicht nur von der sogenannten "Sterbehilfe" (hinter der sich übrigens sadistische Hintergrund-Interessen sehr leicht verstecken können). Die meisten Leser, die keine eigenen sadistischen Interessen haben, werden jeglicher bewusster Tötung eines Gesunden vermutlich nicht zustimmen. Natürlich ist auch "einvernehmliches" Töten von Menschen nicht in Ordnung! Nicht nur die katholische Kirche bewertet derartige perverse Tötungs-Handlungen als schwere Sünde (genauso wie Selbstmord). Auch der Richter war in diesem Falle anderer Meinung, er hat das vorgelegte "Drehbuch" und die angebliche "Einvernehmlichkeit" nicht als Entschuldigung durchgehen lassen.

Ich möchte hinzufügen: für sadistische Grausamkeiten vorher auch noch ein "einvernehmliches" Drehbuch zu verfassen, stellt nicht nur den Gipfel der Perversion, sondern auch den Gipfel der oben erwähnten Verdrehungen dar.

Merksatz: Einvernehmlichkeit ist ein Mythos.

Diesen Mythos kann man u.U. aufdecken, wenn man ganz schlicht und einfach verlangt, dass bei angeblich einvernehmlichen Sadismus-Spielchen generell ein Rollentausch stattfinden muss. Dann trennt sich nämlich die Spreu vom Weizen. Ein reiner Sadist (ohne stärkere masochistische Anteile) wird dann plötzlich mit dem Zögern beginnen, wenn es ihm selber genauso an den Kragen geht. Dies als Tipp für alle, die von ihrem Partner zu derartigen Spielchen gedrängt werden.

Merksatz: das Hauptproblem an sadistischen Handlungen ist, dass sie generell(!) nicht rückgängig gemacht werden können.

Dies gilt nicht nur für Tötungen, sondern generell für jede Art von zugefügten Schmerzen.

Merksatz: der Schmerz brennt sich dauerhaft in den Körper des Opfers ein.

Dies kann jeder bestätigen, der unter psychosomatischen / somatoformen Störungen leidet und ihre Ursachen gefunden hat (was leider nur wenigen gelingt; ich habe die Ursachen aber bei mir gefunden und ich bin mir dessen aus eigener Erfahrung sicher).

Nebenbemerkung: sadistische Misshandlungen von Kindern oder Babies unterliegen nicht nur der traumatischen / dissoziativen Amnesie, sondern zusätzlich auch noch der ganz normalen Kindheits-Amnesie. Daher weiß niemand, welche volkswirtschaflichen Schäden durch Sadisten hervorgerufen werden, beispielsweise durch Schmerz-Therapien im Gesundheitswesen, die letztlich von der Gemeinschaft der Versicherten bezahlt werden.

Bei "einvernehmlichem" Sadismus unter Erwachsenen: sollte sich das Opfer der Folgen seines Mitmachens bei sadistischen Handlungen irgendwann bewusst werden und sein damaliges Einverständnis irgendwann bereuen, ist es zu spät!

Ich schreibe diesen Satz, weil mir mehrere Betroffene von sexuellem Missbrauch in der Kindheit erzählt haben, dass sie im späteren Erwachsenen-Leben an sadistische Partner geraten sind. Erst Jahre später haben sie erkannt, was in diesen Beziehungen alles an Wiederholungen des ursprünglichen Kindheits-Traumas abgelaufen ist! Doch dann war es zu spät. Sie hatten nun zusätzliches Trauma-Material aufzuarbeiten. Und im schlimmsten Fall kämpfen sie mit zusätzlichen Selbstwert-Problemen, weil sie auch beim "Rollentausch" mitgemacht haben.

Psychische Formen des Sadismus

Rein psychische Formen des Sadimus sind meist nicht strafbar und werden daher vor allem als Ersatz (manchmal auch als Vorbereitung) für körperlichen Sadismus verwendet.

Beispiel: Als ich vier bis fünf war, habe ich von meiner Tante ein besonderes Mitbringsel aus Innsbruck gekriegt. Meine Mutter hat es mir jedoch sofort weggenommen. Ich durfe es nicht essen, sondern es wurde vor meinen Augen sichtbar in die Vitrine gelegt.
Immer wenn ich es haben wollte, hieß es, dass ich es bei der nächsten Reise kriegen würde. Die nächste größere Reise fand aber erst in fast einem Jahr statt und war mit dem Flugzeug. Nachdem ich es bei kleineren Reisen nicht kriegen durfte, hieß es, im Flugzeug dürfe ich es dann essen. Bis zum Reisebeginn war es fast ein Jahr.
Als nach Monaten des Anschauens des Mitbringsels in der Vitrine die Flugreise dann endlich stattfand, habe ich mehrfach darauf bestanden, dass das Mitbringsel eingepackt und nicht vergessen wurde (was ansonsten passiert wäre). Auf dem Weg zum Flughafen mussten wir dann Verwandte besuchen.
Weil meine Mutter aber kein anderes Mitbringsel dabei hatte, hat sie mein(!) Mitbringsel den Kindern dieser Verwandten geschenkt, und zwar vor meinen Augen, so dass ich aufgrund der Situation nicht dagegen protestieren konnte (außerdem ging es sehr schnell, d.h. meine Mutter hat einfach Fakten geschaffen, und zwar wiederum sadistische: um es mir zurückzugeben, hätte man es ja den anderen Kindern wieder wegnehmen müssen). Ganz schlimm für mich war, dass es die anderen Kindern auch noch vor meinen Augen gegessen und gemampft haben.

Psychische Formen von Sadismus sind sehr weit verbreitet und werden oft nicht als solche erkannt.

Da sie meist nicht strafbar sind und man oft nicht viel dagegen unternehmen kann, sollte man sie mit dem reinen Sadismus begrifflich nicht vermischen.

Es gibt einen Trend in unserer Gesellschaft, den psychischen Sadismus einfach nur kurz als "Sadismus" zu bezeichnen. Dies hat aber mit de Sade und Sexualität nicht mehr viel zu tun und führt zu einer Verwässerung, damit letztlich zu einer Inschutznahme von Tätern.

Daher bestehe ich darauf, dass psychischer Sadismus immer mit dem Zusatz "psychisch" gekennzeichnet werden muss, da ansonsten ein Verwirrspiel stattfindet.

Echter körperlicher Sadismus (ohne Zusätze wie "psychisch") richtet meistens ganz andere Schäden an als psychischer Sadismus, nämlich ebenfalls auf der körperlichen Ebene (oft als sogenannte Psychosomatik).

Fazit

Sadismus ist eines der Grundübel der menschlichen Gesellschaft.

Sadisten fügen anderen dauerhaften Schaden zu und zerstören das soziale Zusammenleben von innen.

Sadisten verbreiten den Sadismus wie einen Virus weiter.