Körper-Therapie

Hier ist meine Erfahrung mit einer speziellen therapeutischen Technik, die im weitesten Sinne zu den ressourcen-orientierten Techniken gehört, und die mir sehr geholfen hat:

Mein Therapeut hat sich gepolsterte Prügel beschafft, die auch gepolsterte Griffe besitzen. Man kann mit ihnen gefahrlos auf dem Sofa herumdreschen, ohne sich selber zu verletzen.

Ich habe damit in der Übertragung meinen Vater verprügelt. Es hat eine Weile gedauert, bis ich das zulassen konnte. Dann habe ich bemerkt, dass das eigentlich die natürlichste Form gewesen wäre, mich gegen seine Prügel zu wehren, mit denen er mich als Kleinkind "behandelt" hat (siehe auch Abschnitt "Verdrehungen"). Nur leider konnte ich mich als Kind nicht wehren, weil ich schwächer war als er. In der Therapie habe ich das nachgeholt.

Ich hatte am Anfang heftige Gewissensbisse, weil ich als "christlicher Gutmensch" erzogen worden war, der sich nicht wehren darf (siehe der bekannte Spruch vom Wange-Hinhalten).

Die ersten paar Male habe ich die Prügel nur in die Hand genommen, dann aber wieder weggelegt; ich konnte erst gar nicht zuschlagen. In mir tobte eine Art "Kampf" zwischen verschiedenen Persönlichkeits-Anteilen; einige davon hatten regelrecht Angst vor "Rache". Als ich es dann einige Stunden später ganz zaghaft versuchte, kippte in mir plötzlich etwas um, und ich hätte mich liebsten beinahe regelrecht in Trance prügeln und meinen Vater in der Übertragung umbringen können. Das brach so richtig heftig mit Urgewalt in mir auf. Daraufhin schritt sofort ein anderer Persönlichkeitsanteil ganz energisch ein, und ich legte die Prügel sofort wieder weg.

Daraufhin traute ich mich wieder eine Weile nicht mehr, weil ich Angst vor diesem "Kippeffekt" hatte und den Kontrollverlust fürchtete. In vielen weiteren Stunden schaffte ich es dann, immer länger und mit immer weniger inneren Konflikten zu prügeln.

Diese Schaumstoff-Prügel gehören mit zum wirksamsten, was ich aus meiner Therapie mitnehmen kann. Diese Prügel haben gleich mehrere Knoten in mir gelöst.

Ich erkläre mir diesen Effekt durch den körperlichen Aspekt dieser Übertragung: wenn man auf körperlicher Ebene misshandelt und verletzt worden ist, dann hilft rein seelische Schmerzbewältigung nicht in dem Maße wie die körperliche Erfahrung, sich zu wehren. Es ist einfach ein ganz anderes Selbstgefühl: mir kann keiner mehr was. Ich kann und darf mich wehren, notfalls auch körperlich, wenn ich körperlich angegriffen werde!

Außerdem schätze ich, dass die körperliche Ebene auch sher gut gegen Dissoziation (die ja schließlich physiologisch messbare Auswirkungen haben kann) hilft.