Produktiver Umgang mit Eifersucht

(Folgeartikel zum Artikel über Promiskuität, Untreue und Eifersucht)

Dieser Unter-Artikel ist ohne vorheriges Lesen des zugehörigen Haupt-Artikels über Promiskuität, Partnerwechsel und Untreue nicht verständlich, da die im Hauptartikel erklärten Begriffe und Zusammenhänge hier vorausgesetzt werden.

Zweck der Eifersucht

Eifersucht wird von vielen Leuten als ein unangemessenes oder unakzeptables Gefühl angesehen, das nicht gezeigt werden darf. Ich werde darlegen, dass Eifersucht im Gegenteil eines der wertvollsten Gefühle ist, die wir Menschen besitzen (sofern wir sie produktiv einsetzen).

Die Eifersucht ist der von der Evolution erfundene Gegenspieler gegen die Untreue. Eifersucht sollte bereits in der Steinzeit bewirken, dass der möglicherweise fremdgehende Partner zur Beziehung zurückkehrt und die weitere Versorgung der Nachkommenschaft wieder aufnimmt. Eifersucht wäre ohne die Existenz der Untreue vollkommen undenkbar!

Aus der Beobachtung ergibt sich, dass die meisten Versuche von Wilderern fehlschlagen, und zwar meist bereits in den frühen Flirt-Stadien. Daraus ist zu schließen, dass die Eifersucht im Normalfall den Zweck der Rückkehr zur Beziehung und zur Versorgung des Nachwuchses recht gut erfüllt und der Nachwuchs dadurch meistens vor dem Verhungern gerettet wird.

Fazit: ohne Eifersucht würden wir nicht existieren!

Anonyme Studien über die Häufigkeit von Seitensprüngen zeigen, dass etwas mehr als die Hälfte der Beziehungspartner angeben, immer treu gewesen zu sein, weniger als 10% zu häufigen Seitensprüngen neigen, und der Rest schon einmal eine einmalige Affäre oder nur wenige seltene Affären gehabt hat. Man kann annehmen, dass leichtere Formen emotionaler Untreue wie wilderndes Flirten oder leichtere Formen sexueller Untreue wie Küssen wesentlich häufiger vorkommen als stärkere Formen (emotionale "Josefs"-Nebenbeziehung bei der emotionalen, Geschlechtsverkehr bei der sexuellen Untreue).

Dieser relativ hohe Erfolg dürfte sicherlich auch ein Mit-Verdienst der Eifersucht sein! Eifersucht stellt für die Fortpflanzung und unsere Existenz eine höchst wertvolle Notreaktion dar, die zum Abwenden einer drohenden Gefahr (Gefahr des Verhungerns des Nachwuchses; siehe Hauptartikel) von der Evolution gedacht ist.

Allerdings ist Eifersucht ein höchst zwiespältiges negatives Gefühl, das nicht immer und ausschließlich positive Wirkungen hat, sondern auch sehr negative Wirkungen haben kann. Eifersucht ist nicht nur ein negatives, sondern oft auch zerstörerisch wirkendes Gefühl. Viele Morde und andere Gewalttaten geschehen aus Eifersucht. Daher müssen wir bei der Bewertung der Angemessenheit von Eifersuchts-Reaktionen sehr sorgfältig vorgehen.

Der produktive Umgang mit Eifersuchts-Gefühlen ist also ein extrem wichtiges Thema.

"Krankhafte" Eifersucht

Der Vorwurf, ein Partner sei krankhaft eifersüchtig, kommt nicht nur in Überlebenden-Beziehungen gar nicht so selten vor. Manche Partner reagieren auf Eifersuchts-Reaktionen ihres Partners mit dem Gegenvorwurf der "krankhaften Eifersucht". Für diesen Gegenvorwurf kann es zweierlei Gründe geben:

  1. Die Eifersucht ist tatsächlich objektiv nicht berechtigt, der Partner ist einem "falschen Alarm" aufgesessen. Überlebende und andere Traumatisierte können besonders anfällig für "Fehlalarme" sein - insbesondere wenn sie in der Vergangenheit von Ex-Partnern betrogen oder sonstwie zusätzlich traumatisiert worden sind.
  2. Die Eifersucht ist oder war (evtl. in der noch nicht ausreichend aufgearbeiteten Beziehungs-Vergangenheit) zumindest teilweise berechtigt, und der sich angeschuldigt fühlende Partner benutzt nun das Krankheits-Konzept auf unfaire Weise, um seine Interessen durchzusetzen und/oder von der befürchteten Aufdeckung unangenehmer / geheimgehaltener Tatsachen abzulenken, im Extremfall auch um sie zu leugnen. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, dass der Grund der Eifersucht vom angeschuldigten Partner nicht wahrgenommen werden kann oder darf, insbesondere, wenn ihm seine eigenen Verhaltensweisen nicht vollständig bewusst sind (was bei Überlebenden gar nicht so selten vorkommt; siehe auch Abspaltungen / dissoziative Zustände).
  3. Zwischen diesen beiden Extremen gibt es unzähligen Zwischen- und Mischformen. Was wirklich "objektiv" ist, darüber können die Meinungen extrem auseinandergehen.
Echte krankhafte Eifersucht kommt sehr selten vor. Wirklich krankhaft ist Eifersucht nur dann, wenn sie mit psychoseartigen Wahnvorstellungen verknüpft ist. Eine derartige Diagnose kann nur von einem erfahrenen Fachmann gestellt werden und hat in einer Beziehungs-Auseinandersetzung rund ums Thema Untreue / Eifersucht nichts verloren; außerdem folgt aus dem Vorliegen einer Psychose nicht, dass die Eifersuchts-Reaktion allein deshalb grundlos sein muss.

Falsche Alarme kommen hingegen recht häufig vor. Evolutionspsychologen erklären dies mit dem Konzept des Fehlermanagements.

Das Fehlermanagement lässt sich am einfachsten am Beispiel der auch heute noch weit verbreitenen Schlangenangst erklären: wenn einer unserer Vorfahren in der Savanne von einer nicht rechtzeitig entdeckten Schlange gebissen wurde, konnte er daran sterben; "sorglose" oder "unvorsichtige" Vorfahren wären von der Evolution eliminiert worden. Entdeckte ein Vorfahr die Schlange rechtzeitig, so konnte er ihr entweder ausweichen oder sie mit geeigneten Waffen wie langen Stangen töten.

Das Problem ist nun, wie man eine getarnte Schlange entdeckt. Hohe Wachsamkeit ist in jedem Falle hilfreich; je feiner die Sensoren auf das Entdecken von Schlangen ausgerichtet sind, desto höher ist jedoch die Wahrscheinlichkeit, dass ein falscher Alarm entsteht.

Was bewirkt nun ein falscher Alarm? Ganz einfach: nichts. Wenn unser Vorfahr einer nicht existierenden Schlange auswich oder mit seinem Stock versehentlich einen schlangenähnlich aussehenden Ast zu "töten" versuchte, blieb er weiterhin am Leben und kann daher auch unser Vorfahr gewesen sein. Irrte er sich hingegen in die andere Richtung, konnte der Irrtum tötlich ausgehen.

Es kommt daher darauf an, welche Art von Irrtum welche Art von Folgen hat. Mit dem Begriff "Fehlermanagement" wird umschrieben, dass die Evolution denjenigen Irrtum eher in Kauf nimmt, der die weniger gravierenden Folgen nach sich zieht. Evolutionspsychologen erklären damit, dass auch heute noch viele Menschen eine Schlangenangst haben, obwohl in unserer westlichen Zivilisation keine Gefahr durch Schlangen mehr besteht.

Im Falle der Nachwuchs-Gefährdung durch Seitensprünge ist klar, dass eine grundlose Eifersuchts-Reaktion den Nachwuchs deutlich weniger gefährdet als sorglos übersehene vorbotenartige Anzeichen von Untreue. Das Merkmal der getarnten Gefahr ist bei Untreue wegen der Tendenz zur Heimlichkeit der Untreue-Vorbereitungen ebenfalls gegeben; manche Psychologen sprechen sogar von einem Krieg der Geschlechter, der hinter den Kulissen um eine möglichst vorteilhafte Partnerwahl tobt.

In dem Moment, wo tatsächliches Wilderer-Verhalten oder tatsächliche Untreue in der Beziehung mitspielen, ist das Eifersuchts-Gefühl als solches berechtigt und keinesfalls krankhaft. Hingegen handelt es sich beim Umgang mit dem berechtigten Eifersuchts-Gefühl um eine andere Frage.

Klar ist, dass Mord keine angemessene Reaktion auf berechtigte Eifersucht darstellt. Dem Partner das Leben zur Hölle machen (z.B. ihn kontollieren oder ihm nachspionieren) wirkt ebenfalls hochgradig destruktiv. Erschwert wird die Auseinandersetzung mit dem Umgang mit Eifersucht oftmal durch weitere Nebenkriegsschauplätze, auf die sich der Kampf verlagert. Bei Überlebenden weit verbreitet sind z.B. (versteckte) Machtkämpfe um die Intepretation der Realität, wo man als Überlebender oft durch geringen Selbstwert und dissoziative Reaktionen gehandicapt ist. Erschwerend kommt hinzu, dass zerstörter Selbstwert die Eifersuchts-Reaktionen deutlich steigern kann, bis hin zu unangemessenen Reaktionen, was zu einer Verhärtung der Fronten ebenfalls beitragen kann.

Eifersuchts-Kriege in Beziehungen

Viele Publikationen über Eifersucht wecken den Eindruck, an einem Eifersuchts-Krieg sei allein der eifersüchtige Partner Schuld. Derartige Darstellungen sind extrem einseitig. Es werden wichtige Gesichtspunkte ignoriert, und Opfer sexueller Gewalt können durch derartig einseitige Schuldzuschreibungen weiter in ihrem Selbstwert beeinträchtigt werden (was eine Eifersuchts-Spirale in Wirklichkeit anheizt, anstatt sie zu lösen).

Das Hauptproblem mit der Eifersucht liegt nicht in der Tatsache ihres Auftretens, sondern im Umgang mit diesem Gefühl sowie in der (evtl. sogar unbewussten!) Benutzung dieses Gefühls als Waffe in Beziehungs-Auseinandersetzungen.

  1. Auf der einen Seite (Eifersüchtiger) kann es überzogene Reaktionen wie Kontrolle und Einengung (Machtausübung, Nachspionieren etc) oder Rache / Vergeltung bis hin zu Mord geben. Diese gefährden die Beziehung auf schwere Weise und sind schwer destruktiv.
  2. Aber auch auf der anderen Seite sind Verhaltensweisen möglich, die vom gängigen gesellschaftlichen Klischeebild, Eifersucht sei ein generell unangemessenes oder "falsches" / "krankhaftes" Gefühl, oftmals ignoriert wird. Deshalb möchte ich hier die Aufmerksamkeit auf ein Phänomen lenken, das man auch als "Provokation von Eifersucht" bezeichnen kann.

Ein Partner, der beispielsweise beinahe jede sich bietende Gelegenheit nutzt, um nicht nur zu flirten, sondern dies in einer Art und Weise tut, die den anderen Partner (insbesondere vor anderen Leuten / einer Gruppe) beschämt, bloßstellt und ihn damit im Endeffekt niedermacht, transportiert durch dieses Verhalten mehrere Botschaften und bewirkt damit mehrere Dinge:

Diese negativen Wirkungen werden oft nicht erkannt oder manchmal sogar heftig geleugnet. Damit wird jedoch die Möglichkeit verstellt, die gegenseitige Beziehungs-Kriegs-Spirale zu durchbrechen, die durch Abwertungen, Niedermachen auf der einen und unangemessene Kontrolle / Einengung auf der anderen Seite aufrechterhalten wird - wobei letzteres ebenfalls eine Form von Abwertung darstellt.

Wer den Partner wiederholt niedermacht und beschämt (z.B. durch Flirten, auch wenn es geleugnet wird) und damit Eifersucht provoziert, der heizt damit eine Spirale an, die die Beziehung früher oder später ruinieren wird. Niedermachen ist eine Form von Sadismus!

Der wiederholt geäußerte Vorwurf "krankhafte Eifersucht" stellt übrigens ein Erkennungszeichen dar, an dem man das Auftreten derartiger Spiralen erkennen kann. Um eine solche Spirale zu durchbrechen ist die Erkenntnis unverzichtbar, dass beide Seiten daran beteiligt sind, auch wenn es von demjenigen geleugnet wird, der die "krankhafte Eifersucht" ins Feld führt und damit indirekt behauptet, der andere trage die Haupt- oder Alleinschuld (Krankheits-Zuschreibung). Das Leugnen von eigenen Beteiligungen wie z.B. Reizen (Vorenthalten von Sicherheit), Flirten oder andere Abwertungen des Partners durch Handeln, sowie der Vorwurf der angeblich "krankhaften" Eifersucht sind fast immer ebenfalls Bestandteil der Spirale.

Bei Überlebenden kann es besonders häufig vorkommen, dass sie unbewusst flirten, ohne es selber zu bemerken (Wahrnehmungs-Störung aufgrund ihrer Vorerfahrungen: Anpassung an sexualisierte Milieus). Ich bin einmal als Student bis ins Mark erschrocken, als ich eine kurze Video-Aufzeichnung von einer Party gesehen und mein eigenes Verhalten erstmals von außen gesehen habe: ich hatte damals extrem stark geflirtet und habe nachher kaum glauben können, dass ich das gewesen sein soll, der da auf dem Video zu sehen war. Ich war geschockt über mich selber! Das passte nicht zu meinem damaligen erzkatholischen Selbstbild, wonach ich hätte Priester werden sollen (abgespaltenes Gegenstück). Natürlich hatte dieser Flirt keinen ernsthaften Hintergrund, und ich hatte zu diesem Zeitpunkt auch niemanden, der darauf mit Eifersucht hätte reagieren können. Ein Außenstehender hätte aber wohl kaum erkennen können, wie es mit der Ernsthaftigkeit dieser Flirterei bestellt war.

Wer also glaubt, er flirte nicht und sein Partner sei aus völlig heiterem Himmel total unberechtigterweise eifersüchtig, der sollte seine Wahrnehmung mit Hilfe neutraler externer Quellen genauestens überprüfen, und zwar mehrfach, bevor er seinem Partner "krankhafte Eifersucht" vorwirft! Das Leugnen des eigenen Beitrags an einer Beziehungs-Spirale löst das dahinter steckende Beziehungs-Problem nicht, sondern verschärft es.

Was steckt hinter Eifersuchts-Kriegen?

Wie im Artikel über Beziehungen erwähnt, dreht sich das Grundproblem jeder Beziehung um die Regelung von Abstand und Nähe.

Es gibt kaum ein besseres Mittel, um Abstand vom Partner herzustellen, als Auseinandersetzungen um "Abtrünnigkeit". Dies gilt für beide Seiten!

Da es bei diesen (oft auch unbewussten, nicht zugegebenen) Abstands-Wünschen gleichzeitig auch um die Wiederherstellung von Nähe geht (die ja zumindest ein theoretisches Ziel der Eifersuchts-Reaktion ist), handelt es sich bei genauer Betrachtung um einen extrem ambivalenten Mix aus einander widersprechenden Gefühlen (siehe auch Artikel über Ambivalenzen und schmerzhafte Doppelbindungen). Hinzu kommen oft auch Verschmelzungs-Wünsche mit dem Partner (siamesische Beziehungs-Zwillinge).

Wer aus destruktiven Eifersuchts-Kriegen herauswill, sollte daher vor allem versuchen, seine eigenen Ambivalenzen bei sich zu entdecken und für sich selber zu klären.

Wenn der Partner seinen Beitrag an einer Eifersuchts-Spirale nicht anerkennen und daran arbeiten will, bleibt meist nichts anderes übrig, als eine derartige unterschwellig destruktive Beziehung zu beenden, sie zu betrauern und zu verarbeiten, daran zu wachsen und später eine neue Beziehung einzugehen, die dauerhaftes Lebensglück ermöglicht.

Eifersucht auf Nebenbuhler oder Nebenbeziehungs-Partner

Wenn es klarerweise einen Doppelbindungs-Partner ganz real gibt, sollte man meinen, dass dem Auftreten eines Eifersuchts-Gefühls als solchem (was nicht das Gleiche wie der Umgang mit diesem Gefühl ist) nicht mehr die Berechtigung abgesprochen werden kann.

Weit gefehlt! Es gibt jede Menge Publikationen, die im Endeffekt mehr oder weniger behaupten, Eifersucht sei generell unberechtigt.

Was steckt dahinter?

Die häufigste Theoriebildung richtet sich nach dem Muster der 1968er sexuellen Revolution, die nicht nur eine Befreiung von überkommenen sozialen Normen gebracht hat, sondern auch eine Behauptung in die Welt gesetzt hat, die man folgendermaßen zusammenfassen kann:

Wer eifersüchtig ist, der dokumentiert allein damit unangemessene Besitzansprüche an seinen Partner.

Stimmt diese Behauptung?

Ich denke, es gibt kein klares "ja" oder "nein" darauf, sondern es kommt auf die Umstände an:

Eifersucht auf frühere Beziehungs-Partner

In vielen Publikationen über Eifersucht wird behauptet, dass Eifersucht gegenüber früheren Partnern generell unberechtigt sei.

Hieran ist ein wahrer Kern, jedoch können derartige Pauschal-Behauptungen auch fehlerhafte Elemente enthalten. Um zu einem differenzierteren Bild zu gelangen, sollte man sich folgendes vor Augen halten:

Eine Eifersuchts-Reaktion auf einen früheren Partner muss nicht zwangsläufig immer völlig grundlos auftreten. Denn wenn zwischen den Ex-Partner immer noch (Rest-)Bindungen vorhanden sind, dann können diese sehr wohl Eifersuchts-Reaktionen auslösen. Dies kann auch teilweise unbewusst geschehen.

Diese Erklärung bezieht sich nur auf den Auslöser, nicht jedoch auf die Auswirkungen einer derartigen Eifersucht.

Zwar mag der Eifersucht auf einen verflossenen Partner in manchen Fällen ein teilweise berechtigtes Gefühl zugrunde liegen, jedoch ist es fast immer kontraproduktiv, die aktuelle Beziehung mit den Auswirkungen einer derartigen Eifersucht zu belasten.

Der von der Evolution gedachte Zweck der Eifersucht liegt ja darin, ein konkretes Fremdgehen (bzw eine konkrete Fremd- oder Zusatz-Beziehung) zu verhindern, und zwar bei der jetzigen (neuen) Beziehung. Bei verflossenen Partnerschaften ist dieser Zweck ja im Regelfall nicht mehr gegeben -- ansonsten hätte sich ja die alte Beziehung nicht beendet (Ausnahme: schmerzhafte Doppelbindung in Dreiecks-Beziehungen).

In jedem Falle wird die neue Beziehung massiv gefährdet -- sowohl durch berechtigte als auch durch unberechtigte Eifersucht auf den Ex-Partner. Daher sollte es das gemeinsame Interesse beider neuer Partner sein, derartige Dramen möglichst schnell zu beenden.

In manchen Fällen kann es jedoch vorkommen, dass die oben geschilderten Beziehungs-Kriege und Macht-Auseinandersetzungen mit Hilfe der Phantome von verflossenen Partnern geführt werden. Wenn ein Beziehungspartner beispielsweise seinen neuen Partner ständig mit dem alten vergleicht, kann dies nicht nur sehr unangenehm, sondern im Extremfall schwer verletzend wirken. Der ständige Vergleich kann zur Entwertung des neues Partners benutzt werden, und der daraus resultierende Wehr-Versuch mittels Eifersuchts-Reaktionen kann von manchen latent sadistischen Partnern durchaus gewollt provoziert werden.

Derartige Beziehungs-Dynamiken sind klar destruktiv, daher greifen einseitige Schuld-Zuweisungen an den angeblich "grundlos Eifersüchtigen" viel zu kurz und erhöhen durch das Ignorieren/Verdrehen der eigenen Mitschuld die Neurotiziät derartiger Dynamiken.

Das eigentliche Problem ist in diesen Fällen nicht die Eifersucht als solche, sondern die gestörte Gesamt-Beziehungsdynamik.

Produktiver Umgang mit Eifersucht

Aus einem anfangs harmlos erscheinenden Wilderer-Flirt kann sich eine hohe Bandbreite an möglichen Folgen entwickeln. Bleibt es aus Sicht aller drei daran Beteiligten bei einem Spiel oder Nervenkitzel, kann es sogar förderlich für die Beziehung wirken. Allerdings kann eine Untreue/Eifersuchts-Dynamik im anderen Extrem auch die Beziehung endgültig und irreparabel ruinieren - es lässt sich einfach nicht verleugnen, dass es für die Beziehung dabei um ein Spiel mit dem Feuer geht - und zwar eins, das von beiden Seiten betrieben und angeheizt werden kann.

Man sollte sich klar machen, dass sowohl der "untreue" Partner (auch wenn es "nur" um "leichte" Formen emotionaler Untreue wie Flirten geht) als auch der Eifersüchtige ihren Anteil an der Dynamik haben!

Eins ist klar: sobald aus dem Spiel für irgendeinen der Beteiligten bitterer Ernst geworden ist, wird es höchstwahrscheinlich mindestens einen Verlierer geben!

Produktiver Umgang mit Eifersucht kann mehrere Ziele haben, die sich nicht widersprechen müssen:

Die folgenden Tipps richten sich nacheinander an die jeweils beteiligten Beziehungspartner.

Tipps für den Eifersüchtigen

Es gibt zwei Hauptfehler, die man machen kann:

Der "ideale Ablauf" sieht zumindest theoretisch so aus, dass man als Eifersüchtiger sozusagen "wie ein tapferer Ritter die Beziehung rettet", das heißt also:

  1. den Wilderer an der Ausführung seiner Absichten hindert
  2. trotzdem weder den Partner noch sich selbst verletzt (ebenfalls Bestandteil ritterlichen Verhaltens)
Theoretisch sollte es im Idealfall (der allerdings nur schwer zu erreichen sein wird) wie bei spielenden Kindern zugehen: wenn diese Fangen oder Verstecken spielen, kann es neben dem Spaß auch Auseinandersetzungen geben, die aber nicht zu ernsthaften Verletzungen führen. Nachdem sich Kinder ein wenig gerauft haben (was auch klammheimlich Spaß machen kann), versöhnen sie sich wieder.

Im konkreten Fall einer Flirt-Dynamik kann das beispielsweise so umgesetzt werden, dass der Eifersüchtige seine Eifersucht ebenfalls durch angemessene Körpersprache ausdrückt, beispielsweise den Arm um seinen Partner legt. Im Normalfall sollte dieses Signal sowohl vom flirtenden Partner als auch vom Fremden / Wilderer verstanden werden. Die Bedeutung ist: jetzt mag ich nicht mehr, mir wird das Spiel langsam zu viel.

Nun kommt es darauf an, wie diese reagieren. Beide durch dieses Signal Angesprochene können unabhängig voneinander mit einer sehr hohen Bandbreite verschiedener weiterer Signale reagieren. Zieht sich einer von ihnen zurück, dann ist das Spiel aus, denn einer allein kann schlecht weiterflirten. Allerdings kann dieser Rückzug auch eine Taktik sein - gewiefte Wilderer setzen ihre Strategie eventuell heimlich fort und zeigen damit, dass sie tatsächlich gefährdend in die Partnerschaft eindringen wollen (auch der Partner kann diese Strategie anwenden; dies ist jedoch ein Alarmzeichen für den Zustand der Beziehung). Falls das Spiel mit einem echt gemeinten Rückzug endet (was für den Eifersüchtigen vorteilhaft ist), hat es jedoch eventuell für den flirtenden Partner den Reiz verloren. Es kann sein, dass er es weiter fortsetzen oder irgendwann wieder aufnehmen will. Man kann als Eifersüchtiger jedoch auch ein weniger ernst gemeintes Spiel (sofern man sich dessen einigermaßen sicher ist) bis zu einem gewissen Grade mitmachen und dadurch den Reiz für alle Beteiligten erhöhen. Dieses Spiel ist zwar nicht ungefährlich, kann aber evtl langweilig gewordene Beziehungen u.U. wieder ein wenig aufpeppen.

Hier ist ein Beispiel für ein derartiges Flirt-Spiel:

Während meiner Studienzeit, als ich noch frei und ungebunden war, war ich einmal auf einer Party in einem Studentenwohnheim. Eine etwa gleichaltrige Frau schien sich brennend für mich zu interessieren, denn sie sah immer wieder zu mir herüber. Sie war jedoch offensichtlich mit einem Begleiter auf der Party, von dem ich zuerst vermutete, er sei ihr Freund.

Sie sprach immer wieder heftig mit ihrem Begleiter und blickte mich dabei immer wieder an; er blickte ebenfalls zu mir herüber und schien recht freundlich zu sein. Da sie ein Stück entfernt standen und ich an einem Tisch saß, konnte ich nicht hören, was sie über mich sprachen.

Ihre Gestik und Mimik hat mich von Anfang an ziemlich verwundert und ein wenig verwirrt. Diese Verwirrung steigerte sich noch mehr, als sie zu mir herkam, sich neben mich an den Tisch setzte und ohne Umschweife mit mir zu flirten begann. Ich wusste nicht, was ich davon halten sollte. Ihr Begleiter schien überhaupt nichts dagegen zu haben, dass sie mit mir flirtete. Weil ich anfangs auf ihre recht direkten Flirt-Anträge ziemlich verhalten und schüchtern reagierte, ging sie irgendwann ein wenig frustriert zu ihrem Begleiter zurück. Dieser schien sie der Mimik nach wieder ein wenig aufzubauen, ihr ein paar Tipps zu geben und sie erneut zu mir zu sckicken. Sie taxierten zusammen weitere Männer, ob sie nicht ebenfalls als Flirtpartner in Frage kämen. Ich vermutete daraufhin, dass es sich doch nicht um ihren Freund, sondern um einen Bruder oder sonstigen Verwandten handeln müsse.

Als sie daraufhin wieder zu mir kam, verlor ich allmählich die Scheu und flirtete ebenfalls ein wenig mit ihr. Sie ging dann noch einmal zu ihrem Begleiter, der sie nochmals ermunterte, und ich sprang dann bei ihrem nächsten Anbagger-Versuch doch noch an. Ich fand sie dann doch ziemlich sympathisch und flirtete wohl fast eine ganze Stunde mit ihr, wobei das Gespräch immer interessanter wurde. Irgendwann kam ihr Begleiter dann aber doch vorbei und flüsterte ihr etwas ins Ohr, nachdem er ihr vorher Zeichen gegeben hatte, die sie offenbar nicht verstehen wollte. Als sein Flüstern zu einem halblauten "nee, ich hab dir doch gesagt, dass es jetzt reicht" anschwoll, gingen sie zusammen von mir weg.

Es kam dann zu einer kurzen kleinen Auseinandersetzung zwischen ihnen (die ich nur aufgrund ihrer Mimik und Gestik erkennen konnte); anschließend küssten sie sich, und ab diesem Zeitpunkt ignorierte sie mich demonstrativ und vollkommen. Als später die Disco anfing, tanzten sie eng umschlungen miteinander, wobei seine sexuelle Erregung deutlich sichtbar war.

Daraufhin war mir schon klar, dass es sich wirklich um ihren Freund handeln musste. Allerdings passte der gesamte Vorgang überhaupt nicht in mein damaliges katholisch geprägtes Weltbild. Ein Mann, der seine Partnerin (wenn auch nur am Anfang) bei der Auswahl eines Flirtpartners unterstützt, kam darin nicht vor.

Mein Therapeut erklärte mir dazu, dass er beispielsweise einen Mann kennt, der sich regelrecht daran aufgeilt, wenn seine Frau reihenweise andere Männer durch sexuell aufreizendes Verhalten anmacht, sofern sie anschließend ausschließlich mit ihm im Bett landet. Die Sache hat nur einen Haken: als dieser Mann älter wurde, schlug dieser Stimulus in gegenteilige heftige Angst um, weil dann andere (jüngere) Männer attraktiver sein könnten und das Spiel dann für ihn dann auf einmal ziemlich gefährlich werden könnte.

Anmerkung von mir: das Spiel mit der Eifersucht kann auch für denjenigen gefährlich werden, der ahnend oder nichtsahnend die Wilderer-Rolle innehat. Man kann dabei nicht nur ziemlich verarscbt werden. Bitterer Ernst kann jederzeit ins Spiel kommen. Gebrochene Nasenbeine können ebenfalls zum Abbruch eines derartigen Spiels führen.

Schlägt dieses Spiel auf nichtverbaler Ebene fehl oder droht es zu eskalieren, dann sollten die Eifersuchts-Gefühle am besten vorsichtig unter vier Augen angesprochen werden. Vorher empfiehlt es sich jedoch, unbedingt eine Realitätskontrolle vorzunehmen: es könnte ja sein, dass das eifersuchtsauslösende Verhalten bzw. die eifersuchtsauslösenden Tatsachen (nicht Vermutungen, sondern es müssen wirklich Tatsachen sein!) mehrdeutig sind und auch auf ganz andere Weise erklärt werden können. Falls es jedoch bereits eine deutlich sichtbare Steigerungs-Dynamik (z.B. Abweisen der Eifersuchts-Reaktion oder des Eifersüchtigen durch den Partner und Verstärken des Flirtens, oder ein "verstärkter Angriff" durch den Wilderer, auf den der flirtende Partner verstärkend eingegangen ist) gegeben hat, kann allein das Vorliegen dieser Dynamik als Realitätskontrolle dienen.

Erst wenn die Realitätskontrolle ergibt, dass andere Leute an der gleichen Stelle höchstwahrscheinlich ebenfalls Eifersucht empfinden würden oder zumindest einen Verdacht auf (emotionale) Untreue (wie z.B. Flirten) bekommen könnten, sollte man dem Partner taktvoll erklären (auf gar keinen Fall vorwerfen!), woher das Eifersuchts-Gefühl kommt. Das heißt: möglichst genau und präzise schildern, welche Anzeichen und beobachteten Verhaltensweisen einen eifersüchtig machen.

Jetzt kommt es darauf an, wie der Partner reagiert: er kann z.B. sein Flirt-Verhalten ändern, oder sein Verhalten absichtlich beibehalten oder verstärken. Unabhängig davon kann er sein Flirt-Verhalten entweder zugeben oder wenigstens die Möglichkeit einräumen, dass unterschwelliges / unbewusstes Flirten mitgespielt haben könnte, oder er kann es heftig leugnen.

Wenn der Partner sein Verhalten zugibt und ändert, sollte man ihm auch in schweren Seitensprung-Fällen vergeben, sofern man die Beziehung erhalten möchte. Nichts ist für eine Beziehung schädlicher, als auf früheren Fehltritten herumzureiten. Wer dies je nach Schwere der Untreue nicht schafft, sollte sich ernsthaft überlegen, die Beziehung zu beenden, denn mit einem unverziehenen Fehltritt im Hintergrund kann man nicht auf Dauer zusammenleben! In schwereren Fällen von Untreue ist es jedoch ganz normal, dass der Prozess des Verzeihens längere Zeit in Anspruch nimmt und viel Kraft kosten kann.

Schwieriger wird die Sache, wenn der Partner leugnet, bagatellisiert oder wenn seine Worte mit seinem weiteren Verhalten nicht übereinstimmen. Hartnäckige Leugner oder Bagatellisierer sind so gut wie nie zu überzeugen; auf jeden Fall wird jeder Versuch der Überzeugung seine Abwehr-Bastionen nur verstärken und höchstwahrscheinlich zu einer destruktiven Spirale aus gegenseitigen Anschuldigungen und Rechtfertigungen sowie gegenseitigen Abwertungen führen, aus der nur extrem schwer wieder zu entkommen sein wird.

Daher gibt es bei Leugnungen oder Bagatellisierungen im wesentlichen nur zwei Möglichkeiten:

  1. Es handelt sich um einen bisher nicht erkannten falschen Alarm. Dann sollte man versuchen, die Hintergründe aufzuklären.
  2. Wenn der Alarm mit Sicherheit berechtigt ist (was man z.B. mit Hilfe von Zeugen oder auf andere Weise verifiziert haben sollte), was jedoch vom Partner auf Dauer bagatellisiert oder geleugnet wird, bleibt nur übrig, entweder zähneknischend die Lage zu schlucken (was nicht gut für die seelische Gesundheit ist), oder die Beziehung zu beenden. Leider! Es gibt keine andere Möglichkeiten. Ich werde im Folgenden erklären, warum das so ist.

Für das zähneknirschende Akzeptieren der Lage kann es u.U. gewichtige Gründe geben. Diese sollte man jedoch sehr genau gegen die extremen Nachteile für die (psychische) Gesundheit und das Wohlbefinden abwägen. Das Problem am Akzeptieren oder ersichtlichen Ignorieren von Untreue (auch wenn dies unbewusst geschieht) ist nämlich, dass der Partner darin einen Freibrief für jegliche weitere Untreue bekommt - er wird ihn fast mit Sicherheit auszunutzen wissen, und man muss mit ständigen Wiederholungen rechnen. Eine Entscheidung für das Akzeptieren entspricht daher einer no-win-Situation und sollte am besten durch fachkundige psychologische Hilfe unterstützt werden - andernfalls droht man unter die Räder zu kommen. Auch wenn eine Scheidung kurzfristig schwerfällt, kurzfristigen Stress verursacht und materielle Nachteile mit sich bringt, so geht es hier doch um das dauerhafte Lebensglück! Wenn man nicht bereits 80 ist, sollte man abwägen, ob nicht eine neue Partnerschaft langfristig mehr Lebensglück bringen kann als ein kaum auszuhaltender Zustand.

Im Normalfall ist daher bei absichtlichem dauerhaftem Fremdgehen oder dauerhaftem Leugnen / Bagatellisieren auch leichterer emotionaler Untreue dringend zu raten, die Beziehung zu beenden. Ein Partner, der beispielsweise eine entdeckte Nebenbeziehung (sog. "Daueraffäre") penetrant leugnet, richtet noch mehr Schaden an als einer, der offen zugibt, dass er absichtlich fremdgeht und das auch nicht ändern will. In jedem Falle liegt ihm nicht an der Beziehung! Er möchte nicht, dass man als Betrogener etwas von der Beziehung hat - er enthält einem die wichtigsten Teile vor, den die feste Beziehung schenken sollte: Sicherheit und Stabilität. Damit zerstört er die Beziehung in ihrer Grundsubstanz!

Tipps für den Untreuen oder unter Untreue-Verdacht Stehenden

Zunächst einmal: wenn der Partner ein negatives Gefühl bekommen hat, ist es hochgradig kontraproduktiv, ihm die Berechtigung für dieses Gefühl abzusprechen. Niemand empfindet negative Gefühle, die ihn selber belasten und ihm zu schaffen machen, einfach nur so aus heiterem Himmel oder um einen absichtlich zu ärgern - es muss dafür eine Ursache geben. Vorsicht mit einfachen Erklärungen für diese Ursache - es können Dinge auch bei einem selber mitspielen oder mitschwingen, die man selber im Moment (noch) nicht durchschaut oder auch gar nicht wisssen kann. Deshalb keine voreiligen Schlüsse ziehen!

Die schlimmsten Fehler, die man machen kann, bestehen im Bagatellisieren oder Leugnen von Tatsachen oder realem Verhalten.

Manche Bagatellisierungen sind leider in der Bevölkerung weit verbreitet, z.B. dass Flirten angeblich nichts mit Untreue zu tun habe (im Gegenteil; im Hauptartikel wird der Zusammenhang zwischen Flirten und Untreue erklärt); in der neueren psychologischen Fachliteratur ist allgemein anerkannt, dass wilderndes Flirten eine leichtere Form von emotionaler Untreue darstellt. Mit Bagatellisierungen oder gar Leugnungen kann man den Partner und seine Gefühle schwer verletzen!

Dies gilt in besonderem Maße, wenn der Partner ein Überlebender ist oder vielleicht sein könnte, der vielleicht (unbewusst) mit seiner Wahrnehmung kämpfen muss. Nichts wirkt verheerender auf ihn und damit auch auf die Partnerschaft zurück, wenn ihm seine Wahrnehmung ausgeredet oder sonstwie in Frage gestellt wird.

Achtung, Vorsicht: manche Überlebende sind gar nicht in der Lage, ihre Wahrnehmung auszudrücken oder zu formulieren, auch wenn man sie darum bittet. Nur weil sich jemand gegen etwas nicht wehrt, heißt das noch lange nicht, dass er damit einverstanden sein muss! Familien- oder Verhaltens-Therapeuten, die dies nicht wissen, ziehen oftmals Fehlschlüsse und erkennen zugrundeliegende Dynamiken nicht. Die Chancen auf Aufdeckung unterdrückter Wahrnehmungen bezüglich Partnerschaften steigen rapide, wenn Überlebende in Einzelgesprächen sehr viel Zeit bekommen, ihre Wahrnehmung zu klären.

Deshalb für Partner: Niemals etwas abstreiten, von dem man nicht sicher ist oder nicht sicher sein kann, ob es nicht vielleicht doch wenigstens teilweise / ansatzweise zutreffen könnte!

Ganz wichtig: wenn der Partner Eifersuchts-Gefühle bekommen hat, dann sollte man davon ausgehen, dass diese in irgend einer Weise (das muss nicht ausschließlich an einem selber liegen oder sonstwie ehrenrührig sein) berechtigt sind - auch wenn es einem schwerfällt. Natürlich kann es sein, dass der Partner einem falschen Alarm aufsitzt - genausogut kann es aber auch sein, dass man selber etwas nicht wahrnimmt (oder im Falle von Abspaltungen oder Dissoziationen gar nicht wahrnehmen kann), was für den anderen offensichtlich ist. Auch wenn man 10x glaubt, der andere bilde sich das alles nur ein - hier sollte man unbedingt seine Wahrnehmung 10x nachprüfen, bevor man dem Gegenüber vorwirft, krankhaft eifersüchtig zu sein.

Sinn der klärenden Auseinandersetzung über die Eifersuchts-Gefühle ist ja, herauszufinden, was dahinter steckt und was in der Beziehung los ist oder los sein könnte. Vielleicht handelt es sich ja wirklich um einen falschen Alarm; dann wird es sich aber auch nach einiger Zeit herausstellen, und man braucht kein schlechtes Gewissen deswegen zu haben. Das Aufdecken komplizierter Beziehungsdynamiken dauert seine Zeit - diese Zeit sollte man sich gönnen und daher keine voreiligen Schlüsse ziehen!

Leichte Formen emotionaler Untreue wie Flirten kommen in so gut wie jeder Beziehung vor - vielleicht auch beim momentan gerade eifersüchtigen Partner. Daher keine Angst davor, ein eventuelles Flirten zuzugeben! Der Partner wird einem das schon verzeihen - schließlich steht auch er zumindest in der Versuchung, ebenfalls mal ein wenig zu flirten oder wie die Schmetterlinge von Blüte zu Blüte zu hüpfen. Diese Versuchung hat wohl jeder schon einmal verspürt, daher wird er es sich nicht leisten können, als Moralapostel aufzutreten.

Noch etwas: wenn einem der Partner extrem eifersüchtig / überempfindlich vorkommt, kann es leicht sein, dass frühere Eifersuchts-Spiele (an denen er nicht unbedingt freiwillig teilgenommen haben muss) für ihn traumatisch gewesen sein können. Gebrannte Kinder scheuen das Feuer - in diesem Fall das "Spiel mit dem Feuer". Natürlich ist es u.U. sehr belastend, wenn der Parter alte unverdaute Dinge in die aktuelle Beziehung überträgt - aber Vorsicht, das sollte man ihm nicht vorwerfen, denn das machen in Wirklichkeit beide, nur vielleicht an verschiedenen Stellen.

Ist man sich über die Fakten einig, kommt die Frage, wie man zu den rivalisierenden Partnern der Dreiecksbeziehung jeweils steht. Hier sollte man ehrlich mit sich selber umgehen! Hat man sich in den Nebenpartner verliebt? Falls ja, liebe ich den Hauptpartner ebenfalls? Hat die Nebenbeziehung eine Chance? Hat die Hauptbeziehung eine Chance?

Wenn man hier unsicher ist, sollte man sich eine angemessene Zeit ausbedingen, um seine Gefühle zu klären. Wenn dies sehr schwer wird, sollte man nicht nur Rat von Freunden einholen, sondern eventuell auch professionelle Hilfe. Dreiecksbeziehungen sind auch für professionelle Helfer ein schwieriges Terrain, da die dahinter steckenden Ambivalenzen und schmerzhaften Doppelbindungen durchaus schwer aufzuklären und für den Betroffenen schwer zu bewältigen sein können.

Je nach Ausgang der Klärung sollte man versuchen, diese möglichst rasch in die Tat umzusetzen. Lange andauernde Zwiespalt-Situationen (schmerzhafte Doppelbindung und andere Ambivalenzen), in denen man nicht weiß, welchen Partner man wählen soll, sind nicht gut für die seelische Gesundheit. Sie nagen auch an beiden Beziehungen - am Ende kann es sehr leicht passieren, dass beide kaputt oder sonstwie inwendig faul oder unattraktiv geworden sind.

Hat man sich für den Hauptpartner entschieden (oder war diese Entscheidung von vornherein niemals in Frage gestellt), sollte man sich mit ihm auch über die eigenen Gefühle aussprechen, z.B. wenn man unter der Eifersucht gelitten hat. Ein verständnisvoller Partner wird versuchen, auch die Gegenseite zu verstehen. Ebenso ist es hochgradig hilfreich, sich in ihn und seine Gefühle - gerade auch in die negativen wie Eifersucht - hineinzuprojizieren und ihn zu verstehen suchen. Wie hätte man sich an seiner Stelle gefühlt?

Ein gemeinsam durchgestandener Kampf um die Partnerschaft kann diese sogar festigen!

Literatur

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