Die Wörter "Traum" und "Trauma" scheinen sehr ähnlich zu sein, da sie sich nur durch einen einzigen Buchstaben unterscheiden.
Um eventuelle Verwirrung gleich von vornherein zu vermeiden: beide haben nichts, aber auch gar nichts miteinander zu tun.
Träume hat jeder Mensch. Weshalb der Traum von der Evolution erfunden worden ist, ist immer noch nicht abschließend geklärt.
Auch viele Tiere träumen. Beim Träumen wird aufgrund der neuronalen Aktivitäten Energie verbraucht. Die Evolution leistet sich derartiges nur dann, wenn es irgend einen Vorteil bringt. Worin könnte dieser Vorteil bestehen?
Da auch viele Tiere träumen, die kein derartiges Großhirn wie wir Menschen besitzen (z.B. manche Reptilien), geht es beim Traum vermutlich darum, die vorhandenen Gehirn-Kapazitäten insgesamt besser auszunutzen. Im Traum lassen sich Dinge verarbeiten, die im normalen Alltag unter Stress-Bedingungen (Nahrungssuche, Tarnung vor Feinden, Aufzucht des Nachwuchses, etc) nicht geleistet werden können.
Am ehesten kann man das Träumen mit dem Batch-Betrieb vergleichen, der bei Computern vor Jahrzehnten üblich war, als noch Lochkarten zur Eingabe verwendet wurden: die Anforderungen an die Reaktionszeit sind deutlich geringer. Programme für Echtzeit-Anforderungen müssen in der Regel ganz anders gestaltet werden als diejenigen für Batchbetrieb.
Damit sind auch schon die zentralen Unterschiede zwischen Traum und Trauma herausgearbeitet:
Diese Trennung zwischen realer Welt und Traumwelt ist überlebensnotwendig: falls sie bei Tieren in zu hohem Maße verwechselt würde, würden sich die Überlebens-Chancen reduzieren.
Daher sollte man auch beim Menschen davon ausgehen, dass diese Trennung notwendig ist. Normalerweise können gesunde Menschen ja auch zwischen beiden Welten unterscheiden.
Der Traum könnte u.a. auch den Sinn haben, für ein Training der impliziten Gedächtnisse zu sorgen und die normalerweise üblichen Trainings-Zeiten abzukürzen.
Eigentlich bräuchte ich zu diesem Thema nichts zu schreiben, denn jedermann kennt diesen Unterschied.
Wie jedermann weiß, geschehen Erinnerungs-Vorgänge (ebenso wie Flashbacks) fast nur im Wach-Zustand, während Träume ausschließlich im Schlaf stattfinden.
Nebenthema: Sogennannte "Wachträume" sind meistens keine Träume, sondern im Wachzustand stattfindende Projektionen oder haben eher mit Trance-Zuständen zu tun, die ebenfalls dem Spektrum der Wach-Zustände zuzurechnen sind. Flashbacks können natürlich auch im Schlaf stattfinden und dann auch in Träume eindringen, sofern sie nicht zum Aufwachen führen oder in traumlosen Schlaf-Phasen stattgefunden haben. Dies widerspricht nicht der Systematik, dass Erinnerungen dem Wachzustand zuzurechnen sind, während Träume im Schlafzustand stattfinden und manchmal auch Erinnerungs-Material enthalten können -- der Abruf von Erinnerungen geschieht überwiegend bewusst, während Träume normalerweise nicht willentlich hervorgerufen werden können.
Erinnerungen beziehen sich immer auf reale Vorgänge.
Träume hingegen sind laut Sprichwort "wie Schäume". Deshalb sind sie normalerweise auch kaum erinnerbar! Weil sie sich schlichtwegs nicht (oder nur selten) auf reale Vorgänge beziehen. Und weil ihr Eindringen in die Real-Welt gefährlich wäre.
Andernfalls würden Verwechselungen zwischen Erinnerungen und Träumen das Überleben desjenigen gefährden, der zu dieser Unterscheidung nicht fähig wäre. Denn er würde zwangsläufig Handlungen begehen, die sich rächen würden.
Beispiel: wenn sich das Eichhörnchen erinnert, wo es seine Nüsse vergraben hat, kann es im Winter überleben. Wenn es stattdessen dort gräbt, wovon es gerade geträumt hat, findet es nicht nur keine Nahrung, sondern verbraucht unnötig Energie und setzt sich obendrein während des Grabens auch noch dem Risiko von Feind-Kontakt mit Fressfeinden wie z.B. Raubvögeln aus.
Zwar mag es manchmal in Einzelfällen zu einer Verwechselung zwischen Traum und Realität kommen. Dies stellt aber nicht den Normalfall dar. Ansonsten wäre derjenige (bzw dessen Vorfahren) von der Evolution in Jahrmillionen ausgemerzt worden.
Eigentlich bräuchte ich auch das nicht zu erklären: jedermann weiß, dass man den Inhalt von Träumen so gut wie nicht beeinflussen kann.
Die von manchen Trauma-Therapie-Richtungen (z.B. PITT) benutzten Imaginationen unterscheiden sich davon grundlegend, und zwar in mehrfacher Hinsicht: ihr Inhalt wird vom Therapeuten im Einvernehmen mit dem Patienten bewusst ausgewählt (bzw sollte dies zumindest) und auf den Patienten und seine Erlebnisse angepasst, die Übungen finden stets im Wachzustand statt, und schließlich findet das Ganze zur Korrektur von bereits vorhandenen Trauma-Erinnerungen statt (bzw sollte es zumindest), niemals zum Aufdecken von Erinnerungen (wie es von manchen Täter-Lobbyisten gerne der Öffentlichkeit suggeriert wird).
In der Selbsthilfe von Betroffenen haben derartige Methoden nichts zu suchen, ebenso wie Hypnose-Verfahren in der Hand von Laien hochgradig gefährlich wirken können.
Wer noch nie einen Flashback gehabt hat, der kann diesen Unterschied nicht kennen.
Wer einen gehabt hat, der kennt ihn: Ein Flashback ist wie ein Schlag mit dem Holzhammer, der einen trifft. Einen Flashback spürt man, und zwar ganz real.
Flashbacks sind eine Sonderform des Erinnerns, die sich jedoch im Unterschied zum normalen Erinnern oft nur schwer steuern lässt.
Die meisten Flashbacks geschehen im Wachzustand. Falls sie im Schlaf auftreten, können sie gelegentlich auch in Träume eindringen, sofern sie nicht zum Aufwachen führen oder in einer traumlosen Schlaf-Phase stattfinden.
Der Nutzen von Traumdeutungen ist schon bei Nicht-Traumatisierten umstritten, und zwar nicht nur unter Wissenschaftlern. Es gibt mehrere Traumdeutungs-Schulen, die manchmal denselben Traum völlig unterschiedlich deuten.
Leider haben manche Therapeuten-Schulen wie insbesondere manche Verzweigungen der Psychoanalyse die Traumdeutung lange Zeit als Zugang zum Unbewussten propagiert. Andere Therapie-Richtungen bezweifeln den Nutzen dieser Methoden aus mehreren Gründen.
Wer von Erinnerungen an sexuellen Missbrauch und andere Traumata überschwemmt wird oder von Flashbacks heimgesucht wird, der braucht derartige Zugänge nicht. Im Gegenteil, sie sind klar kontraproduktiv.
Weshalb? Hier ist eine Reihe von Gründen:
Beispiel: ich habe vor Jahren an einem Chatter-Treffen für Missbrauchs-Betroffene teilgenommen, das von Leuten geleitet wurde, deren einige mutmaßliche Hintergrund-Interessen in meinem Gefahren-Artikel beschrieben sind. Eine der damaligen Führungs-Personen hat eine sogenannte "Traumreise" durchgeführt, die bei vielen Betroffenen (darunter auch DIS-Diagnostizierten) reihenweise Flashbacks ausgelöst hat; einige konnten deshalb nicht mehr am weiteren Treffen teilnehmen. Dies könnte möglicherweise auch unbeabsichtigt geschehen sein, obwohl die Traumreise-Strategie auch nach Beschwerden nicht eingestellt wurde. In jedem Falle zeigt der Vorfall, welches üble Potential in derartigen Methoden steckt, die auf den ersten Blick harmlos oder sogar nutzbringend aussehen, obwohl sie in Wirklichkeit hochgefährlich für Betroffene sind.
Wann wird das Propagieren von Methoden, die mit Traum und Traumdeutung zusammenhängen, in Internet-Foren endlich aufhören?
Für diesen Bereich ist die psychoanalytische Traumdeutung wohl vermutlich entwickelt worden. Wenn man keine Erinnerungen hat oder nicht darauf zugreifen kann, dann muss man eben nachhelfen - so meine Vermutung.
Hier ist ein Beispiel, was psychoanalytische Traumdeutung in einem konkreten Einzelfall bewirkt hat: meine Schwester hat vor einigen Jahren eine hochfrequente analytische Therapie gemacht, die u.a. mit Traumdeutung arbeitet. Meine Schwester wollte damit ihren aktuellen Problemen auf die Spur kommen, von denen sie anfangs vermutete, dass sie mit meiner (ihr bekannten) Missbrauchs-Geschichte irgendwie zusammenhängen könnten. Nun weiß ich zufälligerweise, dass sie von meiner Mutter ebenfalls sadistisch missbraucht worden ist, d.h. ich habe ihr Schreien und ihre Verzweiflung als Kind mitbekommen. Meine Schwester ist nur leider vollkommen amnestisch d.h. sie weiß davon absolut gar nichts. Ich habe es ihr auch nicht direkt gesagt, sondern nur Andeutungen gemacht, damit sie ihre Traumata in ihrem eigenen Tempo aufdecken kann. Meine Schwester hat mir einmal von einem ihrer Träume erzählt, der sich darum drehte, dass einem Frosch bei lebendigem Leib die Haut abgezogen wurde (und zwar von meiner Mutter; weitere Details will ich nicht schildern und habe sie mir auch nicht gemerkt). Kurzum, für mich ist die in diesem Traum angesprochene Thematik völlig klar: worum anderes als um die tatsächliche sadistische Handlung soll es gegangen sein, bei der es nach meiner ganz klaren Kenntnis ganz real um Haut ging (was sich vermutlich ganz real wie abgezogene Haut angefühlt haben muss, nur halt eben auf einen Frosch projiziert). Und wie deutet die analytische Therapeutin diesen Traum? Völlig anders. Anstelle einer Auflösung der projektiven Anteile und einer Separierung von den Real-Anteilen werden Übertragungen und irreale Projektionen zusätzlich hineinprojiziert, die im Endergebnis nie etwas mit der Realität zu tun haben, weil sie sich schlicht schon von der Methodik her nicht auf reale Vorgänge beziehen (dürfen), sondern immer nur auf Interpretationen hinzielen. Der "Erfolg" ist nun, dass die Täter-Identifikationen meiner Schwester zugenommen haben (und sie von ihrer Anfangs-Hypothese längst abgerückt ist).
Nebenthema: schaut man auf Esoterik-Seiten im Internet nach, was dort in das Traumsymbol "Frosch" hineinprojiziert wird, findet man meistens das Märchen vom Froschkönig als Metapher / Wandlungs-Symbol sowie irgendwelche Phantasien über "innere Schönheit". Was hat dies mit Trauma-Bewältigung zu tun? Vor allem, wenn man den Widerspruch zwischen der angeblichen Symbol-Bedeutung und der sadistischen Komponente des Haut-Abziehens nicht bemerkt und auch dieses irgendwie in etwas ganz Tolles uminterpretiert? Welche Begründung gibt es für die angebliche Bedeutung, außer dass die Märchen der Gebrüder Grimm sehr populär sind und andere Märchen (z.B. http://www.internet-maerchen.de/maerchen/2froesche.htm) weniger bekannt sind, aus denen man etwas völlig anderes wie z.B. Dummheit herauslesen könnte (z.B. ändert sich im zitieren Beispiel eben gerade nichts, und zwar aus Dummheit)? Weshalb meinen manche Betroffene von schweren Traumata, man könne ausgerechnet mit solchen Methoden ihre schweren Schäden heilen? Ich habe den Verdacht, dass dies eine (teilweise unbewusste) Variante der häufigen Vermeidungs-Strategien darstellt, um sich den belastenden Trauma-Inhalten nicht wirklich stellen zu müssen, aber trotzdem vor sich selber den Anschein aufrechterhalten zu können, man würde alles für seine Heilung tun, was man nur könnte.
Merksatz 1: Traumdeutung ist immer mehr-deutig.
Merksatz 2: Traumdeutung ist (wie der Name sagt) immer eine Deutung und stellt kein Wissen dar. Erinnerung hingegen ist Wissen! Und zwar der Abruf eines gespeicherten Wissens.
Folgerung: Träume und Traumdeutungen sind nicht zuverlässig. Wer meint, Traumdeutung würde sich als Methode zum Aufdecken von Missbrauchs-Erinnerungen eignen, der befindet sich auf einem fatalen Holzweg.